Samstag, 6. September 2008

Emotionslos im Stadion

Jedes Mal, wenn ich ins Stadion gehe hab ich ein Riesen-Glück! Nein, nicht, dass ich ein Granaten-Spiel nach dem anderen sehe. Näää! Ganz und gar nicht! Meist ist es ein Grottenkick. Das mein’ ich aber nicht. Ich stell' mich nämlich immer in die unmittelbare Nähe von Spitzenexperten. Da spielen sich regelmäßig Dramen ab. Egal wo. In Stuttgart. In Frankfurt. In Köln. Auf Schalke. Überall. Am Schlimmsten ist es immer in Freiburg... der SC zieht diese Pseudo-Intellektuellen-Fußball-Philosophen magisch an. Die kommen nur zum Sportclub, weil der ja noch gar nicht so kommerzialisiert ist wie der Rest in Fußball-Deutschland... deshalb ab ins B-a-d-e-n-o-v-a-Stadion. Aber Egal.


Auf den Rängen der Arenen tummeln sich die unterschiedlichsten Spielarten des Fußball-Fans. Da wäre zu allererst der Besserwisser. So einer steht immer neben mir. Immer! Der Besserwisser sieht auf jeden Fall alles viel genauer als der Schiedsrichter. "FOUL? WAR GAR NICHTS. DAS SEHE ICH DOCH VON HIER!" Dass da vielleicht ein Zaun, ein Flutlichtmast und eine zwölf Quadratmeter große Patchwork-Fahne die Sicht einschränken interessiert nicht. Da wird weiter gebrüllt. Gebrüllt, weil normal reden is’ nicht beim Besserwisser. Das geht dann in einer Tour. 90 Minuten. Oberste Regel: Der Schiri ist immer Schuld. Auch wenn die eigene Mannschaft jeden Ball in Richtung Eckfahne tritt statt aufs Tor. Hier kommt der Verständnisvolle ins Spiel. Dieser possierliche Vertreter der Gattung Fan ist zwischen 50 und 60 Jahren und steht immer an ein Geländer gelehnt. Außerdem trägt er eine Mütze, zwar in den Vereinsfarben, allerdings ist das formlose Ding von einem regionalen Baumaschinenhersteller oder so. Der Verständnisvolle sagt nicht viel - hin und wieder nuschelt er dem Nebenmann (meistens ich). ber die Schulter zu: „Muss er versuchen!“. Meist hat dann gerade einer von der Eckfahne abgezogen.


Die übelsten Nervensägen im Stadion sind jedoch die Spielertrainer: Taktisch geschult in der Kreisliga B („Wieso geht da keiner kurz?“), perfekt am Ball („Oh Junge, denn musst du in der Drehung aus der Luft nehmen!“) verkannter Nationalspieler („Wenn mich damals ein Talent-Scout gesehen hätte, wär’ ich heut’ in Madrid) und indoktriniert von Steffen Simon (Zitat: „Unten raus hat Bremen oft Probleme mit der Luft“ oder „Brügge ist ein wunderschönes, aber sehr, sehr kleines Städtchen mit 120.000 Einwohnern.“) Da hilft eigentlich nur noch eine Standleitung zum nächsten Pils-Zapfhahn, sonst erträgt man es nicht. Sätze wie „Hätte klappen können!“, „War ja klar, da muss er viel früher drauf gehen“ oder auch das sehr beliebte „Schieß!“ kurz nachdem der Spieler die Mittellinie überquert hat ohne Luftholen über die gesamte Spieldauer... im internationalen Geschäft wird so jede Verlängerung zur Höllenqual.


So ein Spielertrainer stand beim letzten SC-Spiel neben mir… klassisch in Gore-Tex-Jacke und Camel-Boots, nur der Fahrradhelm hat noch gefehlt. Natürlich war das Spiel auch eine ganz üble Grotte. 1:0 für den SC gegen Hansa. Noch nie war mir ein Spiel schon im Stadion so egal… aber wir hatten unseren Spaß. Auch als die Freiburger sich von der Nordkurve hochleben ließen. Wolle aus F meinte da dann nur „Also das brauchen sie jetzt auch nicht jedes Mal zu machen!“ Das war dem Spielertrainer (Wahrscheinlich Robin Dutts Bruder) zu viel. „Immer dieses Gelaber!“ wurde er ausfällig… ich hab mich dann nur halb über die Schulter zum entgeisterten Wolle umgedreht und genuschelt: „Muss er versuchen!“

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich war nicht entgeistert, sondern verDuttzt.

Kai hat gesagt…

Verrückt!