Mittwoch, 17. Dezember 2008

Das Menetekel der Mützen

Wir leben offensichtlich in einer sehr üblen Welt. Eine Welt, in der das Böse nie schläft und allgegenwärtig ist. Aber mindestens genauso ruhelos und allgegenwärtig wie das Böse ist das Doofe, die unheimlichste Bedrohung, der sich die Erde gegenübersieht (und sie tut leider noch nicht einmal weh!). Zu keiner Zeit des Jahres ist dieses Menetekel augenscheinlicher als zur Weihnachtsmarktsaison. Dann nämlich setzt sich - wie von Zauberhand geführt - jeder Idiot eine Nikolausmütze auf... und es gibt sehr, sehr viele Idioten! Ich weiß auch nicht, finden die das lustig? Und wenn ja, was ist denn das bitte für ein kranker Sinn für Humor? Es führt kein Weg dran vorbei: der Mob trägt rot-weiß mit Zipfel! Diese Nikolausmützen sind für die Vorweihnachtszeit das, was rote Gummi-Nasen an Karneval sind: Aufsetzen und dazu gehören, obwohl man das ganze Jahr über einen Stock im Arsch hat und die Zähne nicht auseinander bekommt. Das wäre allerdings auch ohne Mütze aber mit fünf, sechs Glühwein möglich. Den Glühwein natürlich mit Schuss - wir sind ja nicht zum Spass hier! Natürlich! 
Oft rotten sich die Mützen-Seppls mit ihren dampfenden Tassen zu Grüppchen zusammen - aus einem ganz einfachen Grund: Sie kommen sich mit dem "Santa-Claus-Gedächtnis-Strumpf" auf der Birne doch irgendwie blöd vor. Deswegen setzen alle guten Kumpel aus dem Kegelclub (Jede Wette, dass einer im Club auf den Spitznamen "Mütze" hört!) einen auf und stehen es gemeinsam durch. Dass sich die Aushilfs-Kläuse selbst albern vorkommen, merkt der Weihnachtsmarktbesucher spätestens dann, wenn er die Mützen-Seppls über eine Tasse Glühwein anstarrt und schließlich nur betroffen den Kopf schüttelt. Mit Scham und einem dieser "Was-soll-ich-denn-machen?"-Seitenblick auf die Kollegen wenden sich die meisten ab. "Nimm die Scheiß-Mütze ab!" will man dann immer schreien, aber man tut es nie, weil dann würden wieder alle gucken und das Getuschel geht wieder los: "Immer die Besoffenen!", "Kann man hier nicht  in Ruhe mit Mütze stehen?" oder "Was ist denn das für ein Krippenspiel?". Will man ja auch nicht. Lieber in der anonymen Masse untertauchen, fast ist man versucht sich so eine Mütze aufzusetzen - aus Gründen der Tarnung, versteht sich. 
Der Gipfel, oder besser, der Zipfel des Mützenwahns sind diese "Knight-Rider"-Nikolausmützen. Die haben auf der weißen Krempe diese rot blinkenden Sterne, eben so ein Ding, das auch das Wunderauto KITT aus der Fernsehserie in der Motorhaube hatte. Scanner haben die das in der Serie immer genannt. Ich frag mich dann immer, ob die Mützen auch sprechen können. Vielleicht steckt in diesen Kappen ein Hochleistungsrechner, der den besoffenen Typ, der darunter hängt nach dem zehnten Glühwein (mit Schuss!) nach Hause bringt. Klingt fast schon bondesk, als hätte es Q ausgeheckt. In diesem Sinne Prost auf die Mütze!

TIPP: Jedem dieser Mützenträger überschwängliche Komplimente zu seiner ausgefallenen und lustigen Kopfbedeckung machen. "Man, tolles Ding, wo haste das denn her? Suuper." Alle fünf Minuten. Wer sich nicht traut: Zehn Glühwein... mit Schuss!


2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr gelungen!
Du hättest aber auch noch den Weihnachtshobbit mit seiner Tote-Hosen-Nikolausmütze mit einbauen können...wobei der ja nicht peinlich, sondern einfach nur lustig war

Kai hat gesagt…

Der kommt noch, keine Bange - es stehen ja immer noch die a-rythmischen Hampler aus!