Hamburg ist ja riesig. Ein Monster. Ein alles verzehrender Moloch. Ein Schmelztigel. Naja, ehrlich gesagt in China sind die Dörfer größer. Dass nur mal an alle "Hey, super Großstadt. Olé olé!"-Sager, ob sie nun aus Hamburg, Köln, München oder Berlin sind. Nichts desto trotz tun sich auch in Hamburg Abgründe auf, ganz wie in einer richtige Großstadt - hin und wieder jedenfalls. Der erste Abgrund drohte mich Mitte der vergangenen Woche zu verschlingen - unbedarft, wie es so meine Art ist hab ich mal beim HSV vorbei geschaut. Also im HSV-Mega-Store, wo es alles gibt: Tickets, Unterhosen mit HSV-Emblem, HSV-Dies und HSV-Das. Da hab ich mich - lässig am Schalter lehnend - mal erkundigt, wie das denn mit Karten für das Spiel gegen Schalke 04 aussieht. Nun, das Spiel war ja gestern (1:1) - allerdings bin ich immer noch erschüttert ob der Auskunft, die ich just an jenem Tage im HSV-Mega-Store bekam.
"Oh ja, sieht noch sehr gut aus, wir haben noch jede Menge billige Karten da!" Suuuper dachte ich da - doch irgendetwas ließ mich nicht sofort "Jaaaa, drei Stück sofort her und fünf auf Halde!" brüllen - abgesehen von der hübschen Brünetten in der Nebenschlange. Jedenfalls hab ich dann doch vorsichtshalber noch mal nachgefragt, was die "billigen Karten" denn kosten. 53 € hätte die Scheiße gekostet - für ein 1:1 - sind die bescheuert hier? Ja, die sind bescheuert hier. Das haben sie dann auch eingesehen. Auch Helge, Udo und Uns-Uwe hatten den Kanal voll! Mit denen wollte ich in Uns-Uwes Arena eigentlich eine Sause im VIP-Bereich veranstalten. Linde ist mit dem Rad erst mal ne Runde um den Block, so gekocht hat der. Na egal. Zum Glück hatte der Helge eine super Idee. "Ihr könnt uns mal, wir gehen jetzt nach St. Pauli und gucken da Fußball." Uns-Uwe meinte: "Machen wir!"
Spitzen Idee, die der Helge da hatte. War nur doof, dass es da noch hell war. Und nun hört auf meinen Rat, alle die ihr dort draußen weilt: Gehet nie auf den Kiez, wenn es hell ist!! Auch wenn ihr nur eine Sportsbar sucht! Das war nämlich der zweite Abgrund. Also, dass da eine Kaschemme neben der anderen liegt war mir ja von vorne herein klar, aber damit dass da einigermaßen wirkt muss es schon sehr, sehr dunkel sein. So dunkel, dass diese verehrte Dame, die mir ihre Dienste anbot einigermaßen aussieht kann es gar nicht werden! Naja, vielleicht hab ich sie auch falsch verstanden. An der Herbertstraße bin ich nur vorbei gegangen... v-o-r-b-e-i (jajaja, hätte ich das bloß nicht geschrieben) - dorten könnte mal der beherzte Dusch-Einsatz eines Wasserwerfers oder eines kompletten Feuerlöschzuges Wunder bewirken. Gut, dass es dort aussah, wie in China auf dem Dorf kann natürlich auch an den ganzen Schalker Fans gelegen haben die dort mal kurz so vorbeigeschaut haben (Wir erinnern uns der Mob von der Nordkurve!), was das denn da so für eine lustig abgesperrte Straße ist. Nur mal eben so geguckt, wa? Reingeguckt. Aber, lassen wir dass und kommen zu etwas völlig anderem.
Schauplatzwechsel: Tropenaquarium Hamburg. All die exotischen Arten, die es in solchen Regenwald- und Unterwasserschaubuden zu sehen gibt, sind ja erst in zweiter Linie interessant. Viel toller sind ja die Exoten auf der anderen Seite der Scheibe, diejenigen, die solche Aquarien besuchen und glauben, sie gucken nur. Da waren alle Klassiker vertreten - vom "Was-ist-Was-Kind" ("Du Mutter sieh mal, dieses Nilkrokodil, das kann drei Monate lang ohne Nahrung auskommen!") bis hin zum Bus-Kasper der Kaffee-Fahrt, der einen Kalauer nach dem anderen dröhnt ("Ey kumma Elfriede, dat is doch deine Handtasche, die da schwimmt, hasse die doch nich im Bus gelassen?"). Ich bewundere beinahe die Krokodile um ihren Gleichmut - beinahe hätte ich dem Kalauer-Busfahrer einen Schubs gegeben, damit das Krokodil nicht drei Monate ohne Nahrung auskommen muss. Die Haie waren ähnlich drauf - ehrlich gesagt, ich glaube, die Riffhaie hätten die meisten der Besucher aus einer Anderen Welt, die sich an der Panorama-Scheibe die Nase plattdrückten und wild gegen das reflektierende Aquarienglas anfotografierten, nicht einmal gefressen, wenn vorher drei Fässer Blut in das Becken gekippt worden wären. Die Haie haben nur breit gegrinst - warum wohl?