Sonntag, 20. Dezember 2009

"Da John Wayne is a Oaschloch..."

Spätestens seit "Der Mann, der Liberty Valance erschoß" wissen wir, dass der Wilde Westen komplett prärie-romantikfrei war. Die Pionier-Nester waren nichts anderes als windschiefe Bretterbuden inmitten schlammiger Wanderwege, revolvertragende Schweinehunde knallten den Gegner von hinten über den Haufen und nicht ein einziges Mal kam die US-Kavallerie trompetend rechtzeitig irgendwo angeritten, um irgendjemanden vor irgendwem zu retten. Und Präriegrasbüschel rollten auch nirgendwo über die staubigen Pisten am Galgen vorbei, so dass man gleich wusste... Aha, jetzt wird die Luft gleich bleihaltig. Hollywood hat das allerdings ziemlich schmerzfrei wieder hingebogen. Vor allem das mit den schönen Pistolenduellen auf der Hauptstraße. Alles ganz fair. Auge in Auge. Wer zuerst zieht gewinnt. Und keine fiesen Tricks, so das Gentlemenagreement. War ja nicht so. Aber die hatten ja auch nichts damals. Nicht mal Ehre. Meistens auch keine Munition. Die war teuer. Die ganzen Kuhtreiber mit ihren Schießprügeln hätten sich bestimmt an ihrem letzten verbliebenen Zahn verschluckt, wenn Bob Munden ihnen mal kurz seinen Luftballontrick gezeigt hätte. John Wayne hätte seine Knarre weggeschmissen, wär' sofort rauf auf seinen Zossen, schnurstracks die frisch gefegte Hauptstraße entlang, noch kurz den zehn-Gallonen-Hut vor der Lehrerin im gebügelten Kleid gezogen, vorbei an der verdutzten Kavallerie ab nach Texas...

Dienstag, 10. November 2009

Im Reisezentrum des Schreckens

Jetzt ist schon wieder was passiert. Noch sind die Dimensionen nicht überschaubar, aber es zeichnet sich etwas Großes ab. Ich hasse es, wenn so etwas passiert... aber was soll ich machen, die haben ihre Leute überall. Und nicht nur dass. Jetzt kämpfen sie mit harten Bandagen. Haben ihre übelsten Folterknechte auf mich losgelassen. Geschickt wie sie das eingefädelt haben. Nichts ist ihnen nachzuweisen, aber wer würde mir schon glauben? Genau. Niemand. Sie erwischen mich immer genau dann, wenn ich es nicht erwarte. Sicher das Alter. Die Reflexe lassen nach. Die Instinkte sind schon lange baden gegangen. Oder aber... genau, das Morgengrauen muss es sein... in Kombination mit den beiden anderen Punkten. Will ich ja gar nicht abstreiten.
Es ist kalt. Und dunkel. Außerdem regnet es. Toll. In der nächsten Stunde wird sich daran auch nichts ändern. Es ist Scheiß-Winter. Warum ich ausgerechnet heute meine Zugfahrkarte nicht direkt neben dem Eingang am Automat ziehe? Das sollte ich mich für den Rest des Tages fragen. Stattdessen halte ich es um 7:46 Uhr für eine wirklich gute Idee, das Reisezentrum der Deutschen Bahn zu betreten. Das Reisezentrum des Schreckens. Nichts anderes als ein nicht gekennzeichneter Folterkeller von ihnen. Doch von all dem ahne ich um 7:47 Uhr noch nichts. Denn während von draußen eisiger Regen gegen die schwarzen Scheiben des Bahnhofes klatscht, erscheint das hell erleuchtete Reisezentrum der Bahn wie ein Hort der Geborgenheit. Und vor allem: es ist vollkommen leer!
Neonröhren spiegeln sich im blank gewienerten Boden. Das Rot der ausliegenden Fahrpläne und Sondertarif-Broschüre leuchtet warm und kämpft verzweifelt, gegen das kalte Licht der Deckenstrahler ist es chancenlos. So wie ich... ohne es zu ahnen. Drei Angestellte der Bahn versuchen beschäftigt auszusehen, indem sie einer einsamen Kundin die Funktionsweise eines Telefons erklären. Drei Handlanger der Verspätung. Gut, Kumpel, da musst du jetzt durch, sag ich mir und trete vor eine Schergin des Schienenverkehrs. Irgendetwas stimmt nicht. Noch bevor ich etwas sagen kann faucht mich dieses Wesen über den Tresen hinweg an. Die Raumtemperatur fällt rapide um dreizehn Grad als sie schnarrt "Sie müssen eine Nummer ziehen!" Ihre Augen glitzern gefährlich. Es sind die Augen eines Hais. Gefühllos. Brutal. Draußen, im dunklen Nass dieses Novembermorgens ist es jetzt schön warm. Ich will hier weg.
Ich schlucke. Meine Handflächen sind bereits feucht. Mit trockenem Mund blicke ich nach rechts. Nichts. Nur Neonröhren im spiegelblanken Boden. Links das gleiche. Ich bin richtig gehend enttäuscht, dass der Wind keine Präriegraskugel durch das Reisezentrum treibt.
"Es ist aber doch..." setze ich an. Weit komme ich nicht.
"Ohne Nummer kann ich Sie nicht bedienen!"
"...leer!"
Sie starrt mich an. Ich versuche zurück zu starren. Das Rot der Fahrpläne hat mehr Chancen gegen die Neonröhren als ich gegen diese Verkörperung des Bösen.
"Sie müssen eine Nummer ziehen!"
Ich Resigniere bereits. "Ist ja gut."
"Nu werden Sie mal nicht frech!"
"Was? Ich hab... ich meine...!" In ihren Haiaugen blitzt für einen kurzen Moment etwas auf. Etwas das mir einen Schauer über den Rücken jagt. Sie weiß es. Sie weiß bescheid. Sie gehört zu denen. Nickt sie tatsächlich kurz. Es ist 7:52 Uhr. Mein Zeitfenster schließt sich langsam aber unbarmherzig. Ich brauche eine Nummer. Schnell. Auf dem Weg zum Nummernautomat spüre ich den Blich dieses Ungeheuers wie glühende Nadeln in meinem Rücken. Und dann offenbart sich mir ihr perfider Plan in allen Einzelheiten: Wie aus dem Nichts stehen plötzlich vier Leute vor dem Automaten. Sie nicken mir zu... Panik steigt in mir auf... als ich meine Nummer anfordere ist es 7:59 Uhr. Der Automat röchelt wie ein sterbender Rasenmäher und spuckt einen Schein aus. 230. Nummer 224 lässt am Schalter gerade ihre Tasche fallen, deren Inhalt sich auf dem ganzen Hallenboden zu verteilen scheint. Sieben Köpfe drehen sich in meine Richtung und sehen mich an und nicken. Dann renn ich los... ohne 230. Es ist 8:30 Uhr und der Tag hat noch nicht einmal angefangen.

Samstag, 7. November 2009

Schöne Schilder


Folge 3482: Heute kein Feuer in der "Hardcore Scenery"... na ein Glück

Freitag, 9. Oktober 2009

ZDF bei der Recherche ganz weit vorne

Wenigstens bei Wikipedia hättet ihr das mal nachschlagen können, Jungs. Was? Wikipedia eben. W-i-k-i-p-... vergesst es, macht mal schön Fernsehgarten weiter!

Ein Sakrileg!

Und da meint man immer, man hätte bereits in sämtliche Abgründe der Serienlandschaft geblickt. Falsch gemeint!

Sehenswerter Müll am Wochenende

Junge, Junge... ist ja schon ein befreiendes Gefühl KEIN Privatfernsehn zu empfangen. Da kommt wirklich nur noch und ausschließlich Grütze. Ganz große Momente der Fernsehgeschichte werden das an diesem Wochenende wieder: Chartshow mit Geissen, Tanzen mit Pflaume... oje oje. Freunde des gepflegten Trash-Kinos allerdings reiben sich jetzt schon die Hände.
Am Samstag überstrapaziert Tele 5 seinen Slogan "Wir lieben Filme" ein wenig! Um 20:15 Uhr läuft James Camerons legendärer "Piranhas 2 - Fliegende Killer", der beste Film, der je über fliegende Piranhas gedreht wurde. Mindestens. Gleich im Anschluss um 22:05 Uhr eine weitere Perle aus der untersten Schublade des Italo-Kinos: "Killer Krokodil 2 - die Mörderbestie". Einen schönen Trash-Abend allerseits.


Piranhas 2 - Fliegende Killer


Killer Krokodil 2 - Die Mörderbestie

Freitag, 2. Oktober 2009

Der Panaden-Zwischenfall

So langsam hab' ich die Faxen dicke! Ich lass' mir ja einiges gefallen, sei es eine lückenlose 24h-Überwachung, abgehörte Telefone, ein Lieferwagen mit abgedunkelten Scheiben, der ständig und überall hinter einem herrollt oder Privatfernsehen... meinetwegen. Alles zum Wohle des Volkes, versteht sich. Von mir aus! Doch jetzt haben die eine weitere Eskalationsstufe auf der Treppe nach 1984 betreten.

Wie es dazu kam, wird wohl nie ganz geklärt werden, wahrscheinlich bin ich der Geheimen Hauptverwaltung einfach zu gefährlich geworden. Nachdem ich vor Kurzem die Ferndiagnose des maroden Überwachungsapparates belauschen konnte war das absehbar. Nach akribischem Studium sämtlicher Protokolle und Abschriften war klar: "Der weiß zuviel, der muss weg!" Na super. Was die Schlapphüte jedoch nicht bedacht hatten: wenn man paranoid ist, lauert der Tod ohnehin überall. An j-e-d-e-r Ecke. Unbedarfte Menschen warten oft am Zebrastreifen und werden vom Klavier erschlagen. Kann mir nicht passieren: ich rechne immer mit einem fallenden Klavier. Klappt ganz gut. Lebe noch.

Um aber auf jenen Zwischenfall zurück zu kommen, der in der Überwachungsgeschichte der Nachkriegszeit noch Jahrzehnte beispiellos bleiben wird:
Ein nicht weiter erwähnenswerter Montag, 12:17Uhr, Hunger rumpelte mir durch die Magengegend wie ein Boxauto von der Kirmes, in dem sich ein achtjähriges Einzelkind abreagiert. Die Mensa lag nahe. Angesichts des wartenden Mobs hatte das Kombinat der Mensa vermutlich schon zum zweiten Mal in diesem Sommer Fleisch zugeteilt. Richtig vermutet. Paniertes Schnitzel. Mit Pommes. An sich nichts Ungewöhnliches. Trotzdem beschlich mich ein ungutes Gefühl...

Gedankenverloren schaufelte ich Fleisch und Pommes in meine leere Magengrube. Eigentlich ganz gut. Dennoch: irgendetwas stimmte nicht. Aber was? Hektisch schossen meine Augen unter halb geschlossenen Lidern hin und her. Nichts. Drei Pommes später das gleiche Gefühl. Beim Blick über den Tellerrand schien alles ruhig. Zu ruhig. Angespannt aß ich langsam kauend weiter... Aus dem Augenwinkel nahm ich eine plötzliche Bewegung wahr. Blitzschnell riss ich den Kopf herum. Da war sie, die grausame Wahrheit. Meine Gedanken rasten. Schlagartig war klar, was diese beängstigende Unruhe ausgelöst hatte. Bilder stürzten auf mich ein. Schwindel erfasste mich. Dann ein trockenes Würgen, eher ein Röcheln. Alles drehte sich. Auf der Gabel, mit der ich eben erst zielsicher das letzte mundgerechte Stück Fleisch durchbohrt hatte, wand sich zuckend eine elfenbeinfarbene Made.

Während meiner Kehle ein Stöhnen entfuhr, das die Jura-Studentinnen am Nebentisch befremdlich die Nase rümpfen ließ, nahm das Boxauto in meinem Magen erneut Fahrt auf. Eigentlich hatte ich mir meinem rebellierenden Innereien mehr als genug zu tun, trotzdem fiel es mir auf: die sich windende Made, die immer weiter ihre obszönen Kapriolen auf dem panierten Rest eines Schweines schlug... ausgerechnet auf meinem Teller. Absicht! Ganz eindeutig! Warum sollte ich sonst ausgerechnet das Schnitzel mit der madenverseuchten Panade abkriegen? Und doch bei allem Ekel musste ich der Brillanz dieses teuflischen Plans meinen Respekt zollen. Eine logistische Meisterleistung die Made aus dem Speck in die Panade des Schnitzels zu verpflanzen - lebendig und dazu auf meinen Teller abzusetzen. Richtiger Geheimscheiß war das. Die Made in der Panade! Das konnten nur die.

Wenn das der Webstuhl wüsste

Seid gestern bin ich nicht mehr einfach nur paranoid, sondern obendrein ohne Job. Gut, der bürokratische Firlefanz in Richtung Selbsständigkeit nimmt gerade Fahrt auf. Dennoch: de facto hab ich im Augenblick nicht wirklich viel zu tun. Gibt Schlimmeres. Beulenpest zum Beispiel. Oder die ach so ausgeklügelte Story mancher Filme. Deshalb: bevor ich davon berichte, wie Kaminers Kumpel versuchte, mir mit Geheimwissen aus alten KGB-Kellern aus meinem Überwachungsdilemma zu helfen, ich einen heimtückischen Angriff mit Biowaffen überstand und warum es doch hin- und wieder ganz gut wäre, das Medusa's schlangengekrönte Birne bei Botengängen mit zu haben, noch kurz etwas zu einem der unsäglichsten Hochglanz-Trash-Streifen der letzten paar Jahre: Wanted mit der Jolie.
Story: Nerd ist ein ganz übler Nerd. Erfährt dann aber von der Jolie, dass er der Sohn des besten Killers der Welt ist und geht dann bei einer Geheimorganisation in die Assassinen-Lehre. Spitzen Geschichte! Geht aber noch weiter. Die Attentäter dieser Gilde können um die Ecke schießen... so ein Kunstschuss über drei Straßenblocks schlabbern die locker aus der Hüfte - einmal mit dem Handgelenk geschlenkert und ZACK, exitus. Soweit so gut, aber wer sagt den besten der besten der besten Killer, wen sie meucheln müssen. DAS, und nur DAS ist der Beste Part an Wanted. Die Aufträge erteilt ein Webstuhl von dem keiner weiß, wer ihn bedient? Ein W-e-b-s-t-u-h-l? Meine Fresse, ich krieg zuviel. So etwas kann einem doch gar nicht einfallen! Albern! Und der Gipfel: derzeit läuft die Pre-Production für Wanted 2... Angelina Jolie soll wieder leicht bekleidet zur Knarre greifen... diesmal vielleicht als "Strickliesl".





Zitat:

"You're not an assassin of fate, Sloan. You're just a thug who can bend bullets."

Trash-Wertung:


Mittwoch, 26. August 2009

Der Kundendienst des Bösen

Wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, ständig überwacht zu werden, ist das gar nicht mehr so schlimm. Wahrscheinlich nennt man das Ohnmacht. Geht mir mittlerweile so. Verlasse nur noch selten das Haus mit einem Helm aus Alufolie. Dafür aber immer ein rebellisches "Die Gedanken sind frei" auf den Lippen. Daraus werden Sie mir noch einen Strick drehen. Bin ich mir sicher. So ist das System eben. Ein perfektes System der lückenlosen Überwachung und Kontrolle. Trotzdem stellt sich die eine oder andere reaktionäre Frage, zwar mit einem feinen Film Angstschweiß auf der Stirn, aber sie stellt sich.
Wen ruft die Geheime Hauptverwaltung eigentlich an, wenn alle Bildschirme im Kontrollzentrum ausfallen?



Wahrscheinlich war das Schauspiel, dessen Zeuge ich vor kurzem wurde, beispiellos. Ich konnte gar nicht anders, als das Observationsteam meines Vertrauens zu belauschen. Dazu muss man vielleicht anmerken, dass auch der Kontrollstaat unter der Finanzkrise zu leiden hat. Kürzungen im Budget führen regelmäßig dazu, dass die Personaldecke immer weietr ausgedünnt wird. Die Zahl der Beobachter wird überschaubar. Sprich, man kennt sich. Kommt schon mal vor, dass ich ein Bier mit den Überwachungsspezialisten aus dem Lieferwagen trinken gehe. Ich mach' mir dann immer den kleinen Revoluzzer-Spass, mit den Schergen von Big Brother auf Lutz Eigendorf anzustoßen. Dann freu ich mich immer! Diebisch! Wie dem auch sei, da saß ich vor einigen Tagen mit den Richtmikrophon-Knechten Bierbank an Bierbank und plötzlich klingelt das Knecht-Handy (Bedeutet Anton Karas als Klingelton bei Geheimdienstmitarbeitern eigentlich Selbstironie oder Blödheit?)

"Ja, hier Mhmnsllem?" Seltsam, dass man in solchen Momenten nie den Namen versteht. Scholl-Latour-Syndrom! Doch bereits das lang gezogene "Ahhhh" und das mit einem verschwörerischen Seitenblick auf den Kollegen vorgebrachte "Sie sind es!" machte deutlich: da ist die Geheime Hauptverwaltung dran! Ich verkniff mir ein "Schönen Gruß" und spitzte die Ohren. Und es sollte sich lohnen!

Während der Schlapphut am Handy den Ausführungen des "guten Bekannten" lauschte, wich immer mehr Farbe aus seinem Gesicht. Irgendetwas ging da gerade gewaltig schief.

"Hast du das System schon neu gestartet?" Erneut lauschte der Schattenmann in den Hörer. Die Farbe seines Gesichtes - soweit man diesen Kalkeimer noch als Gesicht bezeichnen konnte - hatte inzwischen den Ton von getrocknentem Taubenkot angenommen.
"Nein, nein, du musst erst das Hauptsystem... ja... und dann... nein, mit der Fernbedienung..." Lauschen. Das verzweifelte Schlucken war selbst drei Tische weiter noch deutlich zu vernehmen.
"Die andere... ja... da sind drei Fernbedienungen... die, die aussieht wie die Fernbedienung für die Stereoanlage... die silberne..." Auch der zweite Schlapphut begann jetzt, nervös auf seinem Teil der Bierbank hin und her zu rutschen.
"Wie? Geht nicht? Muss aber! Die silberne hab ich gesagt... nein, nicht die schwarze!" Fassungsloses Kopfschütteln. Mir schmeckte mein saures Radler immer besser, und das, obwohl es bereits warm geworden war. Dann war es soweit, der Telefonierer reichte das Mobiltelefon entnervt an den Kollegen weiter.

"Es gibt Probleme!" erklärte er schnarrend. Nur mit Mühe gelang die Übergabe des schweißnassen Handys über den Biertisch, dessen Holzplatte plötzlich die Ausmaße eines Fußballfeldes anzunehmen schien.
"Ja? Was ist denn?" Binnen Bruchteilen von Sekunden glich auch die Gesichtsfarbe des zweiten Überwachungsspezialisten am Biertisch der glibberigen Peripherie eines Drei-Minuten-Eis.
Grinsend trank ich mein warmes Radler aus und hieß die bezaubernde Kellnerin, mir ein eiskaltes Pils zu bringen. Mein Grinsen verbreiterte sich zunehmend als ich von rechts hörte:
"N-E-I-N!!! Die silberne Fernbedienung! Silbern! S-i-l-b-e-r-n!"
Das perfekte System bekam die ersten Risse!

Montag, 24. August 2009

Schlimmer als die Rote Zora

Vor dem nächsten Kapitel meiner paranoiden Wahnvorstellungen mal wieder ein krudes Machwerk des Trash-Kinos:

Red Sonja (1985)

o tempora, o mores... Anfang der 80er Jahre fanden es viele Menschen toll - "dufte", wie es damals hieß - wenn irgendein Muskelprotz in knapper Lederbadehose dem unsagbar Bösen ins Handwerk pfuschte und mal so richtig mit dem Schwert dazwischen kloppt. Jahaaa, dachte sich da der sagenumwobene Produzent Dino de Laurentis, da hab ich noch eine viel duftere Idee: Eine streitbare Amazone in knappen Lederbikini, die mit dem Schwert dazwischen kloppt!
Und das zehn Jahre von Xena, die Kriegerprinzessin - Wahnsinn! Red Sonja hat so ziemlich alles, von dem man sich heute mit Grausen abwendet, früher aber unbedingt sehen wollte: Eine durchgeknallte Hexe mit Goldmaske und Stringtanga, die die Welt mit einem grün leuchtenden Brocken Kryptonid zerstören will und natürlich ein paar unerschrockene aber strunzdoofe Helden, die mit ihren sehr sehr langen Schwertern jede Menge Köpfe absäbeln, um die Welt zu retten. Schön einfach, wie im Kalten Krieg. Gut gegen Böse. Schwarz gegen Weiß, allerdings in knallbunten Bonbonfarben.




Auf der Seite der Guten: der unter seinem Künstlernamen "Kalidor" kämpfende Barbar der ersten Stunde Conan (überraschend: Arnold Schwarzenegger spielt sich hier ausnahmsweise einmal selbst) mit Muskeln wie Stahlseile und einer schicken nur vom frechen Stirnreif gehaltenen Langhaarfrisur. Außerdem - tadaa Tusch - Brigitte Nielsen als schwertfuchtelnde Red Sonja. Zugegeben, 1985 war an der Nielsen noch mehr als 60 Prozent echt, aber sie konnte schon damals nichts.
Die Story? Schlicht! Gute Priesterinnen bewachen Talisman, böse Zauberin klaut Talisman und tötet Schwester von Red Sonja, die will Rache, mag übrigens keine Männer, weil sie vergewaltigt wurde, Mann kommt vorbei, "We kännot ledd sis häppen!" ZACK mit dem Schwert dazwischen gekloppt, Red Sonja mag den Mann dann doch, weil er so ein duftes Schwert hat, Ende. Wer denkt sich sowas eigentlich aus?

Herausragende Dialogzeile:

"Ai kännot kill idd, idd's a maschien!"


Trash-Wertung:




Mittwoch, 5. August 2009

Dial "P" for Paranoia

Mittlerweile sind alle Befürchtungen zur Gewissheit geworden: Ich werde überwacht! Es gibt keinen Zweifel. Ich sehe Gespenster? Natürlich, sehe ich sie. Ich w-e-i-ß, dass sie da sind! Knacken in der Leitung? Schritte im nächtlichen Hausflur, die plötzlich verstummen? Ständig rollt mir ein Lieferwagen mit getönten Scheiben nach – sehr langsam. Wenn ich mich umdrehe hält er. Jedes Mal läuft mir ein Schauer über den Rücken. Es ist immer ein anderes Fahrzeugmodel, aber die Farbe ist ähnlich... das sind die! Zunächst messe ich dem Gefühl, ständig beobachtet zu werden, keine große Bedeutung zu. Schlafmangel gepaart mit einer Portion Stress und angereichert mit jeder Menge deja vus gehören doch heute zum guten Ton.
Aber dann machen sie einen Fehler! Mittwochnacht, 2:36 Uhr. Alles ist wie immer. Ich schlafe. Dass das Mobiltelefon rhythmisch vibrierend auf dem Schreibtisch herum zu wandern beginnt, nehme ich nur durch den wabernden Vorhang des Halbschlafes wahr. „Rufnummer unterdrückt“ leuchtet es mir von dem gleißend grellen Display entgegen.

Auf mein mühsam hervorgebrachtes „Hallo?“ antwortet eine mir unverfroren gut gelaunte Stimme: „Hallo auch!“
In einem Anflug scharfsinnigen Misstrauens, an den ich mich angesichts der nächtlichen Stunde noch in grauer Zukunft voller Stolz erinnern werde, fragte ich messerscharf zurück:
„Wer ist denn da?“
„Oh, ich bin's natürlich!“ - Natürlich! Natürlich?

Mir ist in diesem Moment klar: Es ist ein Arschloch. Gleichzeitig bin ich mir unschlüssig, was mich mehr ärgert. Die Tatsache, zu dieser Zeit aus dem Schlaf gerissen zu werden oder diese beschissene gute Laune des ominösen Anrufers.
„Ich hatte Langeweile“, flötet mein unbekannter Gegenüber weiter. Und: „Haste Lust zu Quatschen?“
Mein 80er-Jahre Serienheld Thomas Magnum würde jetzt sagen: „Ich weiß, was Sie denken. Und Sie haben recht!“ Ich hole gerade tief Luft, um diesem gutgelaunten Idioten gehörig die Meinung sagen, was er sich einbilde, mich Mittwochnacht um 2:36 Uhr anzurufen und "quatschen" zu wollen... Doch plötzlich stockt mir der Atem. Ein Knacken in der Leitung. Hört jemand mit? War da nicht auch dieser missionarische Unterton in der Stimme? Eine Sekte? Ein Seelenfänger? Siedend fällt mir ein: Die Rufnummer ist unterdrückt! Geheimdienst!

„Woher haben Sie diese Nummer?“ Versuche ich, mit nachdrücklicher Stimme zu insistieren, doch ein Zittern bleibt.
„Oh, ich hab nur so willkürlich ein paar Nummern eingetippt“, trällert der mysteriöse Anrufer.

Willkürlich? Ich lege sofort auf. Woher haben die meine Nummer. Schweißgebadet stürze ich ans Fenster. Genau in diesem Moment rollt auf der Straße ein Lieferwagen mit abgedunkelten Scheiben vorbei - sehr langsam. Als ich das Fenster aufreiße, beschleunigt der Wagen und verschwindet mit quietschenden Reifen um die nächste Ecke. Jetzt weiß ich: sie sind hinter mir her! Die restliche Nacht verbringe ich seltsamerweise mit einem Kochtopf als Helm bei eingeschaltetem Licht in einer Ecke meines Zimmers. Wann kommen sie mich holen?

Sonntag, 19. Juli 2009

Kennen Sie Kafka?

In regelmäßigen Abständen sitze ich am Schreibtisch, starre ins Leere und frage mich "Was kann ich eigentlich?" Ziemlich schnell wird mir dann immer klar, dass dieses Starren und sinnieren Quatsch ist, weil ich ja eigentlich was kann... zwar nur ein bisschen, aber dieses Bisschen dafür ganz gut. Aber so ein Hinterfragen muss ja nicht unbedingt schlecht sein... so einige Leute könnten das ruhig mal machen. Am vergangenen Mittwochmorgen hab ich mit so jemandem telefoniert. Um 8:00 Uhr Morgens. Rückruftermin mit der Agentur für Arbeit. Man muss sich ja drei Jahre im Voraus "Arbeit suchend" melden. Deshalb ruft man dort an, damit die Agentur einen zurückrufen kann... telefonieren können sie dort nämlich. Immerhin. Um Mittwoch 7:59 Uhr klingelte schließlich auch mein Telefon. Ich dachte noch so "Junge, Junge, die sind aber früh dran!"

"Guten Morgen."
"Guten Morgen."
"Wir werden jetzt ihr Profil erstellen, also ich gebe jetzt Ihren Lebenslauf in das System ein."
"Tun Sie das."
Seltsamerweise hatte ich gute Laune. Allein deswegen hätte ich bereits misstrauisch werden müssen. Aber mal ehrlich, wer wird bei seinem ersten Rückruftermin mit der Agentur für Arbeit schon misstrauisch. Verstohlenes Tuscheln am anderen Ende der Leitung machte deutlich, dass ich es nicht nur mit einer Sachbearbeiterin zu tun hatte. Mindestens zwei Personen versuchten angestrengt, auf einem dieser uralten Röhrenbildschirme einen Sinn in irgendwelchen Antragsformularen zu erkennen. Sicherlich war die Luft im Büro abgestanden. Jedes Mal wenn man den Raum am Ende des langen dunklen Ganges durch die knarzende Tür betrat, traf einen der Geruch von muffigen Akten wie ein Faustschlag in die Magengrube... innerhalb weniger Sekunden sah ich das Innenleben der ganzen Behörde deutlich vor mir. Super. Das konnte ja heiter werden. Das Tuscheln erstarb.
"Guuut, fangen wir am besten mit ihrer Schulbildung an. Was ist Ihre höchste Schulbildung?"
Genau an diesem Punkt des noch sehr jungen Gesprächs hätte ich endgültig misstrauisch werden müssen. Bei der Frage "was ist Ihre höchste Schulbildung" sollte man die Amtsperson eigentlich sofort angetan mit Zwicker, Pommade im Haar und in tadelloserOrdonanzuniform vor sich sehen. Nichts! Ich wurde nicht misstrauisch... und ein kafkaeskes Verhängnis nahm seinen Lauf.

Ob es an der verklausulierten Bürokratensprache lag oder an einer frühmorgendlichen Begriffsstutzigkeit vermag ich rückblickend nicht mehr zu sagen. Jedenfalls war ich es nun, der kurz zögerte. Freilich blieb mir nicht allzu viel Zeit um zu Zögern, nur Sekunden später bellte es ohne ein einleitendes Tuscheln erneut "Ihre höchste Schulbildung?" aus dem Beamtenapparat.
"Ähh... Abitur", gab ich an, vollkommen davon überzeugt, eine offizielle Vertreterin des deutschen Sozialstaates könne mit dieser erschöpfenden Antwort etwas anfangen. Konnte sie nicht. Sie tuschelte verschwörerisch. Dann: Stille. Und genau jetzt begannen bei mir sämtliche Alarmsirenen zu schrillen. In Manier des alten Higgins aus dem 80er-Jahre Serien-Juwel "Magnum" dachte ich nur "O-h, M-e-i-n GOTT!"
Erneutes Tuscheln. Dann wieder Stille.
"Soo.... Abitur." Erneut erhob sich unverständliches Gemurmel. Nur hin und wieder drang ein unsicheres "hier vielleicht?" oder ein zweifelndes "nein, auch nicht" aus der amtsstubeninternen Kakophonie durch den Hörer. Unglaublich laut tickend zeigte die Uhr bereits 8:18 Uhr an.
"Ja, Abitur", versetzte ich vorsichtig.
"Wann war das denn?"
"1998", antwortete ich schon etwas erleichtert. Doch ich hatte mich zu früh gefreut.
"Und wie lange war das?"


In fassungslosem Entsetzen erstarrte ich, unfähig, die Tragweite dessen was soeben ausgesprochen worden war zu ermessen. Hatte sie gefragt "wie lange das war"? Während ich wie gelähmt am Hörer meines Telefons klebte wurde das Ticken der Uhr immer lauter. Ich ertappte mich bereits zum zweiten Mal dabei, wie ich über die Schulter blickte, um mich zu vergewissern, nicht beobachtet zu werden. War da nicht ein Geräusch gewesen? "Und wie lange war das?" Die Frage hallte noch immer unbegriffen in mir nach. Ich versuchte zu schlucken. Es gelang nicht. Mein Hals war völlig ausgetrocknet.
"Juni", krächzte ich mit letzter Kraft. Tuscheln am anderen Ende.
"Bis wann?" Auf meiner Stirn bildeten sich bereits Tropfen kalten Schweißes. Was wollte die von mir? Das war doch alles gar nicht war.
"Abitur Juni 1998", war alles war ich heraus brachte.
"Das sagten Sie bereits. Also... von Juni bis wann genau?" Mittlerweile hatte die Stimme meiner Gesprächspartnerin einen schneidenden militärischen Unterton bekommen. Ich sah ihre Kollegin direkt vor mir, wie sie die Faust schwang und lautlos "Härte zeigen, Schätzchen!" mit den Lippen formte. Es gab keinen Ausweg. Ich würde dieses Gespräch bis ans Ende aller Tage führen. Das wurde mir jetzt schlagartig bewusst. Dröhnend schob sich der Zeiger der Uhr Sekunde für Sekunde unaufhaltsam weiter.
"Ich... also das Abitur war im Juni 1998", versuchte ich es erneut. "Am Ende des Gymnasiums." Im letzten Augenblick verschluckte ich die Bemerkung, dass es sich um ein humanistisches Gymnasium gehandelt hatte. Ich war sicher, schon das kryptische Wort Gymnasium würde das verstohlene Wispern im Büro der Sachbearbeiterin und ihrer Kollegin zu einem entrüsteten Tuscheln anschwellen lassen... "humanistisch" hinzuzufügen hätte mit Sicherheit meinen Untergang bedeutet, dessen war ich gewiss.

"Die allgemeine Hochschulreife", schob ich erwartungsvoll nach. Nichts. Dann Tuscheln. Erneut blickte ich über die Schulter. War da nicht jemand gewesen? Irgendwo im Haus schlug eine Tür donnernd zu. Sicherlich der Wind, versuchte ich mich zu beruhigen. Als die Stimme der Sachbearbeiterin die unheimliche Stille nach dem Flüstern durchbrach, zuckte ich erschrocken zusammen.
"Oh ja... ich sehe gerade..." Ja? Was? Was sehen Sie? Mich? Ich blickte wieder über die Schulter. Nichts! Wirklich nichts? Dieser Schatten, der war eben...
"Da hab ich mich wohl etwas vertan. Abitur... Hier steht es" ... Wie bitte? Stille. Nur das Krachen der Zeiger. Rasselnder Atem. Ich verkniff mir die Frage, ob sie schon mal was von Franz Kafka gehört hatte. Es war 8:32 Uhr. Nach meinem Studienabschluss hatte sie noch gar nicht gefragt.


Donnerstag, 9. Juli 2009

Geheimscheiß

So ungefähr alle zwei Wochen bin ich immer sehr froh, dass ich nicht in Bangladesch lebe. Ich weiß auch nicht woher das kommt... ich kenn' da keinen... ich war da auch noch nie. Naja, vielleicht verwechsel ich mich auch - kann ja alles sein. Jedenfalls wunder' ich mich immer etwas, wenn ich alle zwei Wochen mal wieder froh bin, nicht dort zu leben. Gestern auch wieder... da saß ich bei einem schönen Glas eiskalten Leitungswasser vor einem Artikel über den Todesfluss Buriganga. Der fließt - welch wunderlicher Zufall - quer durch Bangladesch, durchschneidet die Hauptstadt Dhaka in geschmeidigen Windungen - und ist komplett tot! Von einem "frühindustriellen Abwasserinferno aus giftigem Sud, schillernder Brühe, Schmutz und Gestank" stand da was... fand ich schön formuliert. Gleichzeitig hab ich gedacht "bin ich froh, dass ich nicht in Bangladesch lebe".

Hier im zivilisierten Westen ist das ja alles ganz anders. Hier kann man das Wasser direkt aus der Leitung trinken. Das gute Kraneberger. Gut, manchmal ist da ein bisschen Rost drin... Rost? Auf der Seite mit dem Artikel über den toten Buriganga stand weiter unten ein Artikel über deutsches Leitungswasser... vielmehr darüber, dass das, was gemeinhin für ein bisschen Rost im Kraneberger gehalten wird, eigentlich die Kadaver und der Kot von Wasserasseln ist. Die gemeine Wasserassel, Asellus aquaticus, 1758 von Carl von Linné erstmals beschrieben, wird bis zu 2 Zentimeter lang und hockt schon mal gerne gesellig in Wasserleitungen. In Nord- und Ostdeutschland nisten sich die possierlichen Krabbler viel lieber in Rohren ein als im Süden. Jajaja, das gute Kraneberger... schönen Dank! V-e-r-d-a-m-m-t-e K-a-c-k-e - nichts anderes hab ich da jahrelang unbedarft in mich hineingeschüttet. Wie furchtbar ist bitte die Vorstellung, sich an einem heißen Sommertag mit gekühltem Asselkot zu erfrischen?

Und das Schlimmste: Die Wasserwerke wissen das, sagen aber nichts, weil sich Kacke im Wasser so schlecht verkaufen lässt! Ein klassischer Fall von geheimem Scheiß! In diesem Artikel über Geheimscheiß standen noch einige Sachen, die die Wasserwerke in die Nähe der Sympathiewerte rückten, die derzeit die Raketentechniker der Nuklear-Hexenküche Vattenfall landläufig genießen. Zum Beispiel kippen die Chlor in die Leitung, um die Asseln abzutöten. Chlor und Asseln in der Wasserleitung... gut, das ist nicht das verpestete schwarze Gel, das durch den Buriganga sickert... aber es ist schon sehr nah dran. Soweit, dass diese Brühe bei uns aus dem Hahn sprudelt ist es noch nicht, bis dahin bin ich immer mal wieder froh, nicht in Bangladesch zu leben.

Montag, 6. Juli 2009

It was on the line!!

Ganz großes Tennis... wollte ich früher auch immer spielen. Hat meistens nie so ganz geklappt, mein eigener Aufschlag hat mir meistens das Genick gebrochen. Einmal auch den Finger. Da ist mir der Schläger aus der Hand gerutscht... durch die Luft... gegen den Zaun... zurück durch die Luft... und gegen den Finger. Sau-Schläger! Der war kurz darauf kaputt - der Verräter. Vergangene Woche hab ich nach knapp drei Jahren mal wieder zur Becker-Rolle angesetzt. Der Aufschlag war immer noch mies... vielleicht aber auch schon wieder! Verdammt. Doch wieder öfters spielen. Jetzt kann ich es ja auf konditionelle Defizite schieben... so langsam gibt das Alter diese Argumente her... oder Knieprobleme... auch immer wieder gut. Hab mir überlegt, mir im Gegenzug ein Kriegsgebrüll zu zulegen, um den Gegner zu verwirren. Das ist wieder - zumindest bei den Damen - ganz groß in Mode, wie dieses Weltklasse-Quiz auf Spiegel Online beweist.

Dienstag, 30. Juni 2009

Das ist ja verrückte Science-Fiction!

Mein erstes PC-Spiel war Indiana Jones und der letzte Kreuzzug von LucasGames. Was hat mich damals die wahnsinnig tolle Grafik dieses Adventures begeistert. Bis der Pixel-Indy jedoch das erste Mal die Peitsche schwang dauerte aber. Denn mit den insgesamt vier Disketten (auf denen irgendjemand neunmalklug Indiana Jones zu Indianer Jones korrigiert hatte - Frevel!!), die dem 16MHz "schnellen" 286er-High-End-PC erstmal zu füttern gegeben werdn mussten, hatte der unansehliche Klotz ganz schön zu arbeiten. Nach längerem Rattern ging es dann doch irgendwann los. Wegen des unzureichenden Speicherplatzes (ich meine mich an 16MB zu erinnern) gab es während des Spieles immer mal wieder die Aufforderung "Bitte legen Sie Diskette 2 in das Laufwerk ein". Diskette? Weiß heute kein Mensch mehr was das ist. Vielleicht irgendwas mit Wellness?

Es war damals suuuper revolutionär, dass man Indy ausschließlich mit einer unglaublich klobigen Maus (vom Verkäuer als "unerhörte Innovation" angepriesen) durch die Jagd nach dem heiligen Gral lotste...

Heute sitze ich vor einem iMac... mit Funkmaus... und Online-Telefonie... sowas gab's damals noch nicht einmal in Science-Fiction-Filmen! Dafür war aber die Werbung für Computer und das dazugehörige Equipment um Einiges amüsanter als heute! Die schönsten Werbe-Versprechungen gibt's hier.

Freitag, 26. Juni 2009

You're gonna need a bigger boat!

Spätestens seit der Dokumentation Sharkwater (2006) weiß jeder zweite an der Strandbar, dass jährlich mehr Menschen von Getränkeautomaten getötet werden als von Haien. Wie die heimtückischen Automaten das jedoch anstellen lässt der Film bewusst im Dunkeln. Nichts anderes hat Steven Spielberg 1975 gemacht. In Jaws ist das Biest auch kaum zu sehen, aber man weiß genau: Es lauert dort irgendwo im trüben Wasser.

Peter Benchleys, später von Spielberg verfilmter Roman, propagiert das Bild vom Hai als menschenmordende Fressmaschine. So eine Art Serienmörder ohne Axt und Kettensäge, dafür mit Flossen und Revolvergebiss. Das war für die Publicity der Haie erstmal nicht so gut. Im Gegenteil, Haifischen kam groß in Mode (→ „Nur ein toter Hai, ist ein guter Hai!“) heute ist der Weiße Hai, Carcharodon Carcharias, beinahe ausgestorben. Trotzdem schwang da bei Benchley respektive Spielberg ein beinahe prophetischer Ton mit, denn Weiße Haie sind schon ein bisschen drauf wie Serienmörder.




Tatsächlich jagen Haie ähnlich wie Serienmörder, wie Meeresbiologen aus Miami jetzt herausfanden. Die Wissenschaftler untersuchten die Jagdstrategie von Weißen Haien mit einem Modell, das die Polizei zum Erstellen von Täterprofilen bei Serienmördern entwickelte. Dieses Ermittlungsverfahren beruht auf der Annahme, dass die Lage von Tatorten einer Mordserie Rückschlüsse auf den Wohnort des Täters zulässt. Will sagen: Serienmörder sind ein veflucht faules Pack und fahren nicht gerne weit.

Auf der Jagd nach Robben kundschaften Haie ihre Beute erst einmal aus der Distanz aus, wie Hannibal Lecter das auch macht. Ungefähr 100 Meter vom späteren Angriffsort entfernt suchen sich die Haie ein verstecktes Basislager, von dem aus sie operieren. In der Dämmerung attackiert der Raubfisch dann meist kranke oder allein schwimmende Beutetiere. Wohlgemerkt: Tiere. Denn schon lange vor Sharkwater wusste der aufgeklärte Froschmann, dass der Weiße Hai eben nicht die Nemesis des umweltzerstörenden Menschen ist und die Weltbevölkerung als Rache der Natur systematisch dezimiert, wie in Jaws angedeutet. Eigentlich schmecken Menschen Haien nicht besonders. Eigentlich! Denn auch unter den Haien gibt es Psychopathen.

Zu diesen Psychopathen-Haien gibt es selbstverständlich eine passende Studie - wie zu allem. Zwischen 1950 und 1958 ersann der australischen Forscher Dr. Victor Coppleson eine haarsträubende, als „Verbrecher-Hai Theorie“ bekannte Verhaltens-Idee, der zur Folge einzelne Exemplare einen Geschmack für Menschfleisch entwickeln und immer wieder am Strand dinieren. Einen solchen Badass-Hai ließen dann Spielberg und Benchley in Jaws auf den planschenden Mob los. Das war der erste Verteter des modernen Serienmörder-Hai-Film-Genres. In der Realität ist das natürlich Quatsch, denn wir wissen, dass jährlich mehr Menschen durch Kokusnüsse (150), Blitzschläge (1000) und Flusspferd-Attacken (200) sterben als durch Haiangriffe (4). Es ist schon recht unwahrscheinlich, beim Schwimmen im Meer auf einen Hai zu treffen, noch unwahrscheinlicher jedoch ist es, im Fall der Fälle gleich einem psychopathischen Arschloch-Hai zu begegnen.

© Foto: Hermanusbackpackers


Wenn man allerdings bis zur Brust im Wasser steht und eine dreieckige Flosse auf sich zu schwimmen sieht ist einem erstmal egal, in welcher Stimmung dieser Hai jetzt gerade ist. In dem Moment geht einem nur der Gedanke durch den Kopf "Wieso bin ich Depp eigentlich nicht zum Wandern gefahren?" und natürlich die Musik von Jaws. Außerdem will man dann sofort ganz woanders sein, am besten irgendwo an Land neben einem Getränkeautomaten... obwohl, wer weiß, was der mit einem anstellt!

Donnerstag, 25. Juni 2009

Dienstag, 23. Juni 2009

Umfassende Dossiers



In den gut recherchierten Dossier auf Spiegel Online ist für jeden was dabei...
auch die gut auf das Thema abgestimmten Google- Anzeigen lassen kaum Wünsche offen.
Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

Montag, 22. Juni 2009

Die waren ja eigentlich gar nicht so dick...

Selten hat mir ein Wasserglas so viel Respekt eingeflößt wie Ende September 1993: Achtlos abgestellt auf dem Armaturenbrett kräuselt sich plötzlich die Wasseroberfläche. Einmal... „Spürst du das auch?“ zweimal... ein drittes Mal. Und dann nimmt der T-Rex den Jeep auseinander. DAS war mal was. Und dann das Brüllen... wie ne verklemmte rostige Schrottpresse. Zugegeben, einer wissenschaftlichen Prüfung hält der Plot von Steven Spielbergs Jurassic Park nicht allzu lange stand: aus in Bernstein eingeschlossenen DNA-Resten geklonte Dinosaurier, die ihrem neuen Leben als Luxus-Zootier nichts abgewinnen können... mal ehrlich, da waren doch Drogen im Spiel!



Seit kurzem ist Jurassic Park noch unrealistischer als damals, denn Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass die Urzeit-Viecher wahrscheinlich viel leichter waren als bisher angenommen. Jahrzehntelang haben Paläontologen in Sachen Gewicht einen ganz schönen Tinnef zusammengerechnet. Forscher haben das Modell für den Body-Mass-Index der Saurier mal am Beispiel eines Elefanten durchgerechnet... Elefanten wiegen demnach stolze neun Tonnen. Das ist albern, wiegt ein richtig dicker Kawennsmann von Elefant de facto gerade mal vier Tonnen. So ein Langhals-Dinosaurier, wissenschaftlich korrekt Apatosaurus louisae, wog demnach nicht 38 Tonnen sondern lahme 18 Tonnen. Das könnte im wahrsten Sinne schwerwiegende Folgen haben.

Weil die Biester vielleicht flink und leichtfüßig wie Eidechsen waren geht Hollywood über Nacht ein wunderbar dramaturgischer Kniff flöten. In einer ersten Kurzschlusshandlung wurde bereits Jurassic Park 4 panisch auf Eis gelegt. Nicht auszumalen, wenn im nächsten Dino-Schocker (BILD kreierte damals zum Kinostart ein ganz neues Genre, das bis heute nur drei Machwerke hervorgebracht hat: Jurassic Park, Jurassic Park II und Jurassic Park III) Tyrannosaurus & Co elfengleich auf ihre Opfer zutänzeln. Keine die Erde erschütternden Schritte mehr, nix mehr mit dem Sturm in Wasserglas, ohne Vorwarnung steht der T-Rex vor dir, macht Männchen und ZACK... Schicht im Schacht. Leichtfüssige Dinos taugen einfach nicht als Kassenmagneten.

Bevor bei den Weight-Watchers jetzt die Leitungen glühen... das funktioniert nicht bei Menschen! Auch wenn manche aussehen wie Elefanten oder Dinosaurier... da hat sich in den letzten paar Jahren keiner mit dem Gewicht vertan! Wirklich nicht!

Donnerstag, 18. Juni 2009

Wie Colt auf'm Fahrrad

Meine erste große Liebe traf ich an einem Montag so gegen 17.50 Uhr. Ich war neun, saß mit einer Cola auf der Couch und plötzlich kam sie durch diese Saloon-Schwingtür... mit nichts weiter an als diesem himmelblauen Bikini... eine blonde Göttin... Heather Thomas oder besser: Jody Banks, der schönste beste Kumpel, den Colt Seavers je hatte!

Colt hatte alles: In jeder Folge mindestens eine herrliche Kneipenschlägerei, einen unkaputtbaren GMC Sierra Pick-Up (okay, der musste schon ab und zu mal in die Werkstatt... ungefähr jede zweite Folge, aber was soll's... der Wagen landete um Einiges eleganter als K.I.T.T., die alte Schleuder). Colt kannte jeden beim Film und jeder beim Film kannte Colt. Wenn er über ein Set schlenderte, kam er aus dem Grüßen und Umarmen gar nicht mehr raus. Zu Colts Kumpeln gehörten Clint Eastwood und Steve McQueen... einer cooler als der andere! Außerdem hatte Colt eine Badewanne - draußen! Mann, ein toller Beruf, Stuntman, spitze! - Wollte ich dann damals auch werden. In irgendeinem Sommer wollte ich mit meinem blauen Fahrrad dann auch mal einen Colt-Sprung hinlegen - ging schief! In der dritten Klasse hat man eben noch keine Physik und die Schwerkraft ist in dieser Lebensphase nur ein sehr schwammiger Begriff.



Aber es gab auch Schattenseiten im Glamour-Leben eines Hollywoood-Stuntman in den 80ern. Schon bei der Zusammenstellung der Garderobe tun sich Abgründe auf: Cowboystiefel, (Ich hatte in der dritten Klasse auch mal solche Stiefel! Sau rutschig waren die. Damit lässt man sich lieber nicht auf eine Prügelei ein... Hab's einmal ausprobiert - ging schief!), Holzfällerhemden, Nylonblouson mit Stickerei, riesige Gürtelschnallen und viel zu hoch sitzende Jeans. Mit Blick auf den Klamotten-Fundus einer 80er-Jahre-Serie klingt der Satz "in der Mode kommt alles irgendwann wieder" wie eine mächtige Drohung. Colt war das damals schon egal, der war einfach ein harter Hund. Und wenn sich jemand über seinen Nylonblouson lustig machen wollte gab's eine vor den Ballon!

Colt Seavers war so ein bisschen der James Bond des kleinen Mannes. Bond bekommt von "Q" ja auch immer genau die Ausrüstung, die er dann später braucht: Mini-Hubschrauber zum Zusammenbauen, Pressluftpatronen, unsichtbare Autos, etc. Bei Colt war das ähnlich, der legte zu Beginn jeder Folge genau den spektakulären Stunt hin, mit dem er 40 Minuten später die Bösen überrumpeln und einbuchten konnte. Durchschaubar aber wirkungsvoll. Ich fand das immer super! Mit neun Jahren findet man auch nichts dabei, wenn Colt den Telefonhörer mit einem genervten "Weiber" auf die Gabel knallt. Ich kann mich noch vage daran erinnern, dass meine Schwester einmal wegen irgendetwas ausgeflippt ist. Als meine Oma dann fragte, was los sei, hab ich nur gesagt "Weiber!" - Mein Opa hat sich weggeschmissen, meine Oma fand das nicht so toll. Und da meine Oma das Sagen hatte, durfte ich zwei Wochen nicht "Colt" gucken... Weiber eben!

Am Anfang dachte man ja immer, Colt hat was mit Jody. Dachte Colts Cousin Howie auch, der Knalldepp! War aber gar nicht so. Die waren nur gute Kumpels. Jody hatte nie einen Freund... die ganzen 109 Episoden über. Waren die eigentlich alle bescheuert in Hollywood? Ich hab mir dann immer ausgemalt wie das so läuft, wenn Jody in einer Bar angemacht wurde. Meistens von so Typen von 'ner Rockerbande.

Schmieriger Rockertyp: "Hey Süße, ganz alleine hier!"
Jody: "Nein, ich bin mit meinem Kumpel Colt hier. Mein Freund lebt übrigens in Deutschland und kommt nach, wenn er mit der Schule fertig ist."
Schmieriger Rockertyp: "Aber ich bin jetzt hier und..." --- ZACK--- Schon hatte Colt ihm eine verpasst - guter Kumpel!




Mittwoch, 17. Juni 2009

Was die Skythen schon wussten!

Der Alte Fritz war ja ein ziemlich streitbarer Haudegen. Ganz besonders fuchsig wurde der preußische König immer dann, wenn sich jemand einfach verdrückte. So ist etwa die Anekdote überliefert, dass er seinen fliehenden Truppen nach der Niederlage gegen die Österreicher bei Kolin 1757 wutschnaubend hinterher gerufen haben soll: „Ihr verfluchten Racker, wollt ihr etwa ewig leben?“
Kann man ja auch verstehen. Erst versauen einem Soldaten, die einen komischen Dialekt sprechen, die schon geplante Siegesfeier und dann nehmen auch noch die eigenen Mannen Reißaus – da steht man dann als König ganz schön blöd allein in der Gegend rum.
Mitunter aus diesem Grund hat Deutschland keinen König mehr sondern einen Kaiser. Der steht nicht mehr in der Gegend rum, sondern zieht im Hintergrund die Fäden – als... äh jo gut äh... wie sagt man äh... Lichtgestalt. Für’s Grobe hat der seine Leute, Oliver Bierhoff zum Beispiel. Der hat sich in der Tradition des alten Preußenkönigs zu Wort gemeldet, weil gerade einer öffentlich plant, stiften zu gehen.

Eigentlich wollte Jermaine Jones, in der Abwehr der Grubenkumpel auf Schalke auch ein ziemlich streitbarer Haudegen, für Deutschland bei der WM in Südafrika den Pokal holen. Blöderweise ist Nationaltrainer Jogi Löw jetzt nicht soooo ein Riesen-Fan von Jones und hat ihn nicht ins Team berufen. Der Abwehr-Haudegen aus dem Pütt glaubt sich nun einer Verschwörung ungeahnten Außmaßes auf der Spur: Er darf nur deshalb nicht spielen, weil er tätowiert ist, denn in Deutschland „mag man keine Menschen, die Tattoos haben“ weiß Jones.

Hat sich mal wieder vertan: Jermaine Jones.
Reiten kann er auch nicht.


Gewagt gewagt, Herr Jones! Zu behaupten „in Deutschland mögen sie Tätowierte nicht“, ist in etwa so tollkühn, als ob man sämtlichen Fußballern in der Ersten Fußball-Bundesliga überdurchschnittliche Intelligenz bescheinigt. Das wäre ja albern! Glaubt ja eigentlich auch niemand... außer vielleicht Lothar Matthäus. Aber trotzdem. Allerdings sollten man auch den Jermaine Jones nicht über’s Knie brechen, wo in der Bundesliga sowieso schon viel zu viel hochsterilisiert wird. Der Herr Jones hat sich schlicht und einfach vertan.

Als Fan von Tattoos will man ja auch wissen, woher das alles so kommt mit der Körperkunst. Und da stößt der Neugierige irgendwann zwangsläufig auf die Skythen, einen recht wilden eisenzeitlichen Reiterhaufen, der im ersten Jahrtausend v.Chr. immer mal wieder über andere eisenzeitliche Haufen herfiel. Die haben wohl mit der ganzen Tätowiererei angefangen. Die Deutschen, oder vielmehr die Leute, die dort lebten, wo heute Deutschland liegt, konnten die Skythen deswegen nicht so gut leiden, weil sie dauernd mordend und plündernd durch die Gegend zogen, nicht weil sie tätowiert waren. Sich anzumalen fanden eigentlich alle cool. Ötzi war übrigens auch tätowiert.
Bei der Lektüre von Renate Rolles Die Welt der Skythen: Stutenmelker und Pferdebogner – Ein antikes Reitervolk in neuer Sicht (Frankfurt/M 1980) wird Jermaine Jones etwas durcheinander gekommen sein. Aber dass in diesem Standartwerk der Unterschied zwischen "mordend und plündernd durch die Gegend ziehen" und "tätowiert sein" nicht deutlich genug herausgearbeitet wird, kann man ja schwerlich dem wissbegierigen Fußball-Intellektuellen ankreiden. Da hat er sich eben vertan. Kurz darauf hat er sich gleich nochmal vertan... ja, genau genommen hat er sich im Zorn sogar verwechselt! Das passt schon eher zum gängigen Bild vom Fußballprofi.

Der feiner Herr Jones will nämlich ab sofort er für die Amis spielen. Moment? Wie jetzt "für die Amis"? Klare Sache, dass er sich da verwechselt hat! Eigentlich müsste er für die Skythen auflaufen, er ist ja tätowiert! Vielleicht kann er aber auch einfach nicht gut genug reiten. So ein Nationalmannschaftswechsel geht ja seit kurzem sogar, denn ein paar FIFA-Funktionäre haben das an einem Pool auf den Bahamas mit Bikinischönheiten und vielen Cocktails mal eben so beschlossen.
Und weil der feine Herr Jones schon einmal dabei war hat er sich noch einmal vertan! Er hat die Chance vertan, ein ganz großer im Bankgewerbe zu werden. Vielleicht wäre er in Südafrika mit sehr viel Engagement zum neuen Günther Hermann geworden... zu einem tätowierten Günther Hermann... einer verdammt coolen Sau. Dann hätte er ewig gelebt! Der Alte Bierhoff hat dann in etwa so was in der Richtung gesagt: „Du verfluchter Racker, willst du etwa Fußball spielen?“ Wie der Alte Fritz eben.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Erlöse uns von dem Bösen...

Eigentlich dachte ich ja, jedes Wort über dieses filmische Desaster wäre zu viel. Im Grunde stimmt das ja auch, aber Opfern von Pestepidemien, Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Tsunamis, Flugzeugabstürzen, Feuerstürmen und Haiangriffen wird immer nahe gelegt, über ihre Erlebnisse zu sprechen, um potentiellen Traumata vorzubeugen. Vorbeugen wollte ich mich im Kino auch immer wieder... um mich zu übergeben. Kurz gesagt: Terminator – Die Erlösung ist so ziemlich die blödeste Grütze, die ich in den vergangenen Jahren im Kino gesehen habe (Indiana Jones 4 zählt da nicht, denn ein vierter Teil von Indiana Jones existiert gar nicht), nur Highlander III war damals fürchterlicher.

John Connor (Christan Bale) kämpft gegen
Skynet - und seine eigenen Erlöser-Allüren.

Wo anfangen, bei diesem infernalischen Machwerk? Vielleicht mit dem Ende, oder besser mit dem Anfang vom Ende, denn das Beste kommt fast zum Schluss. Jene Szene, in der sich John Connor (diesmal sehr lahm: Christian Bale) dem neu entwickelten T-800 gegenüber sieht, ist - mit Abstand - der Höhepunkt des ganzen Maschinen-Kaputtmach-Schinkens. Eigentlich auch nur deshalb, weil der T-800 genau so aussieht, wie schon in den drei Vorgängerfilmen, nämlich wie der Gouvernator. Leider gestehen die Macher dem computeranimierten Cameo des Hühnen dieses Mal keine schmissigen Oneliner wie "Hasta la Vista, Baby" oder "I'll be back" zu. Ohnehin verzichtet Terminator - Die Erlösung vollständig auf den selbstironischen Ton der Vorgänger. Selbst eine so brillante Steilvorlage wie John Connors Frage "Was bist du?" lässt der Marcus Wright (Sam Worthington als Hybrid wider Willen) ungenutzt. In den Schwarzenegger-Äktsch'nmovies unvorstellbar. "Ein Meter achtundneunzig!", "Ziemlich grantig!" und "Bald wieder zurück!" wären mit Sicherheit beim T-800 als mögliche Antworten auf dem Interface erschienen. Wahrscheinlich ist Christian Bale am Set in grandioser Klaus-Kinski-Manier ausgetickt, weil der T-800 nicht "Gib mir deine Kleidung, deine Steifel und dein Motorrad" zu ihm sagt und nicht, weil angeblich Kameramann Shane Hurlbut durchs Bild gewatschelt ist.

Regisseur McG, zu Recht als "Leichtgewicht" betitelt, gelingt es, jede interessante Figurenkonstellation auszuklammern. Nur zwei Beispiele: John Connor bekam von seiner Mutter sein ganzes Leben lang eingetrichtert, der Retter der Menschheit zu sein, im Augenblick darbt er jedoch nur mit der Flinte im Fußvolk. Wie fühlt der sich jetzt dabei? Ist der traurig? Sein Heimchen am Herd, sinnigerweise Ärztin (erweist sich später als recht praktisch, denn sie kann in der Wüste eine Herztransplantation vornehmen - ich wage zu bezweifeln, dass sie mehr als einen Strohhalm zur verfügung hatte) ist übrigens schwanger... wird auch nicht thematisiert. Nicht zu erwähnen, dass das Drama um Marcus Wright in Gänze unerwähnt bleibt. Immerhin muss der Gute in der Überzeugung ein Mensch zu sein, nicht nur erkennen, dass er eine Maschine ist, sondern obendrein auch noch vom Inbegriff des absolut Bösen (hier SkyNet, nicht das Imperium) zusammengeschraubt wurde.

Der kommt wieder - mit Sicherheit!

Terminator - Die Erlösung kommt ganz ohne Humor aus und ist dennoch über alle Maßen komisch - unfreiwillig. Der Dialog zwischen Marcus Wright (Worthington) und der abgeschossenen Pilotin Blair Williams (Moon Bloodgood) in der nächtlichen Wüste liegt qualitativ nur knapp über den platten "Wieso liegt denn da Stroh"-Dialogen eines drittklassigen Pornostreifens. In Ermangelung neuer Text-Ideen werden auch schon mal Zitate aus den drei Vorgängern kurzerhand aufgewärmt, beispielsweise Schwarzeneggers hölzernes "Komm mit mir, wenn du leben willst!". Müsste man meinen, dass durch solche Zitate eine gewisse Kontinuität geschaffen wird, wirken die Zeilen hier nur ausgesprochen bemüht und deplaziert. Selten war das Gefühl, alles schon mal irgendwo gesehen zu haben, bei einem Film so stark wie bei Terminator - Die Erlösung: Die Terminator-Armee entpuppt sich als eine Transformers-Truppe für Arme, denen im Gegensatz zu den Original Falt-Robotern selbst mit einem Abschleppseil leicht beizukommen ist. In den postapokalyptischen USA kann man das Reifenquietschen förmlich hören, mit dem Mad Max in seiner verbeulten Karre jeden Moment um die nächste Düne biegt. Und John Connor geht einem sowieso spätestens nach einer halben Stunde mit seinen Auserwählter-Allüren genauso auf den Sack wie Neo in Matrix Reloaded und Matrix Revolutions. SkyNet selbst erweist sich als blank poliertes Hybridwesen, konzipiert aus dem galaktischen Imperium ohne Darth Vader, der künstlichen Intelligenz V.I.K.I. aus I, Robot und der Matrix höchstpersönlich. Diese Apokalypse sieht zwar dank Hurlbuts Kamera ganz nett und wie aus einem Guss aus, es bleibt aber zusammen geklaubt. Nicht verwunderlich, zeichnen sich John Brancato und Michael Ferris für das Drehbuch mit verantwortlich. Beiden verdankt die Menschheit den Plot des beispiellosen Catwoman mit Halle Berry.

Und dann fällt er doch noch, der Satz, der die Bedrohung der Terminator aus der Zukunft schon 1984 auf eine kurze Zeile eindampfte: "Ich komme wieder!" Doch diesmal ist es nicht die mordende Maschine, die die Drohung ausspricht, sondern John Connor selbst. Das macht einem mehr Angst als alle Terminator zusammen.

Sonntag, 17. Mai 2009

Hasta la vista... Baby

Ganz schöner Hype um den neuen Terminator. Immerhin: Batman ist jetzt John Connor und haut die Maschinenbrut zu Klump - verspricht spannend zu werden. Arnie konnte sich nicht frei machen... musste gouvernern und "I'll be back" in Nachrichtensendungen sagen - hat er auch schon mal bei Ulrich Wickert gemacht... am Ende eines Live-Interviews. Wickert hat gegrinst. Fand ich schön.
Egal, zurück zu Terminator. "The Gouvernator" spielt zwar nicht mit, aber als ich gestern das Teaserplakat für Terminator Salvation gesehen hab, bin ich beinahe aus den Latschen gekippt: Der Ratzl. Verrückt. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut, dem alten Pharisäer. Aber wenn man sich den deutschen Titel des Films mal auf der Zunge zergehen lässt... Terminator: Die Erlösung! Klar... kann man sich ja an fünf Fingern abzählen, dass der Ratzl da mitspielt. Wenn es einer hinkriegt, dann der. Wahrscheinlich übernimmt er den Part mit den knackigen Onelinern. Dem Papst nimmt man das "I'll be back" schon irgendwie ab... er hat ja gute Verbindungen bis ganz oben.

"Das wär' doch was für dich..."

Man man man, wie oft hab ich den Satz Samstagabends gehört. Irgendwann hab ich selber dran gedacht, mir den Kittel über zu werfen. Und wer war Schuld? Genau, der Hehn und der Wussow! Schönen Dank auch! Jedes Mal wenn meine Mutter "Die Schwarzwaldklinik" sah, sollte ich Arzt werden... also in den 80er Jahren jeden Freitag! "Das wär' doch was für dich!" Chirurg sollte es schon sein - mit weißem Golf-Cabrio versteht sich, immer noble Tennisbräune und diesen Pullovern lässig um den Hals geknotet! Ich wollte eigentlich immer wie Magnum sein: kein Geld aber Ferrari fahren. Meine Mutter meinte dann immer, dass man besser Udo Brinkmann wird und nicht Thomas Magnum... Mütter eben. Eines muss man allerdings rückblickend neidlos anerkennen: DAS waren noch Ärzte damals. Dazu muss man wissen: Die Schwarzwaldklinik liegt ja gleich neben Freiburg. Heute spritzen sie da die Radfahrer fit - von wegen Schwarzwaldklinik. Erschütternd! Schon lustig, wenn man das heute sieht - muss man sich immer vor Augen halten, dass das ein Straßenfeger sondergleichen war, die Schwarzwaldklinik, glaubt man nämlich nicht! Von den Quoten, die die Serie hatte träumen sie heute nicht nur bei Fokus TV.






1989 lief dann die letzte Folge der "Schwarzwaldklinik". Glücklicherweise. Nicht, weil ich das jetzt als Hexerei und Teufelswerk verdammen will, nein, nein, war schon schön, aber 1989 kam ich auf's Gymnasium. Wenn die Serie weiter gelaufen wäre, hätte ich weiterhin jeden Freitag diesen einen Satz gehört: "Das wär doch was für dich" - Ich glaube, dann hätten mich die ganzen Sechser in Latein in noch größere Schwierigkeiten gebracht als sie es ohnehin schon taten. Sätze wie "da kannst du dir dein weißes Golf-Cabriolet schön von der Backe putzen" wären nach jeder schlechten Klassenarbeit unerträglich geworden... es waren sehr viele schlechte Klassenarbeiten! Und wegen des immer mal wieder verhängten Hausarrests nach der Sechs wär's auch mit der Tennisbräune Essig gewesen. Als es dann 2005 diesen Revivalfilm, quasi ein "Schwarzwaldklinik Reloaded", gab, dachte ich schon, die Chose geht wieder los, aber ZDF und Produzent Rademann stellen sich ja glücklicherweise quer... muss ich doch kein Chirurg mehr werden! Wär' eh nix für mich!

Donnerstag, 30. April 2009

Da Jürgen Bauer isch z'ruck!

D'r Jürgen dät sage: Ih kennt' kotza!
Denn leider kann ich die schwäbischen 24-Filme des Herrn Dodokay nicht in den Blog integrieren. Juristischer Schnickschnack von wegen Urhebertralala, glaub ich zumindest! Jedenfalls isch d'r Jürgen wieder zurück: Vermieter Häberle hat nämlich die Faxen mit der WG dicke und holt Ex-Mieter Jürgen Bauer aus dem Knast, damit der den Sauladen wieder auf Vordermann bringt. Nach den ersten fünf Tagen deutet sich mit Tag 6 das große Finale an. Großes Special: Jürgen Bauer spricht im Making of darüber wie die Macher der Serie ticken. Granademäßig!

Mittwoch, 25. März 2009

Dienstag, 24. März 2009

Stoff für Serienjunkies

Alle Serienfans, die die Seite noch nicht kennen, sollten sich mal www.serienjunkies.org ansehen. Dort gibt's so ziemlich jede Serie kostenlos zum downloaden. Neben allen "Tatort"-Folgen und "Magnum PI" findet sich hier auch so Schnickschnack wie "Dangermouse", "Drei Damen vom Grill" und die kultige Batman-Serie aus den 70ern.

Einmal Pommes rot-weiß

Wirklich oft geguckt habe ich diese 140-Folgen-endlos-Serie um die drei Färber-Damen mit ihrer Imbißbude in Berlin eigentlich nie, aber der Vorspann sucht vermutlich immer noch seinesgleichen. Den fanden sogar die Hauptdarstellerinnen (Brigitte Mira, Brigitte Grothum, Gabriele Schramm) so knorke, dass sie dem Wurstbuden-Epos 15 Jahre lang die Treue hielten.


Freitag, 13. März 2009

Glück auf, der Steiger kommt... der Treppen-Steiger

Junge, Junge, so Zwangshandlungen sind echt kein Spaß. Ich mein', ich kenn das ja auch: Wenn ich in eine Buchhandlung gehe muss ich mir mindestens zwei Bücher kaufen, meistens sind es aber mehr. Und das, obwohl ich noch dreißig ungelesen zu Hause liegen hab' (vom letzten Hugendubel-Besuch!). Deswegen mach ich meistens einen großen Bogen um diese Geschäfte. Am "Harras", der Station, wo ich derzeit immer in die U-Bahn einsteige, hat's allerdings einen ganz schlimm erwischt! Der muss ständig die Treppe rauf rennen, mit der Rolltreppe wieder runter, zu Fuß wieder hoch, Rolltreppe, und so weiter und so weiter. Wie lange weiß ich nicht, wenn ich abends zurück komme ist er zwar immer weg, aber ich glaube er macht das lange... es sieht zumindest sehr gekonnt und routiniert aus. Jetzt kann man sich so einen Zwang ja nicht aussuchen. Wär' ja sonst kein Zwang mehr! Aber wie perfide hat das Mutter Natur denn bitteschön eingerichtet? Kann der arme Kerl nicht nach oben FAHREN und nach unten LAUFEN... müssen? Oder wenigstens abwechselnd, Treppe runter is' auf Dauer für die Kniee auch nix. Dem zwanghaften Treppensteiger hätte ja auch der Zwang verpasst werden können, im Fahrstuhl immer auf sämtliche Knöpfe drücken zu müssen und mindestens vier Mal rauf und runter zu fahren, bevor er aussteigt. Gut, kriegt er spätestens beim dritten Mal runterfahren von den Mit-Elevatoren eins übergezogen - aber vielleicht hilft das ja. Bin ich Therapeut?

Donnerstag, 5. März 2009

Frei:geschossen

Nach dem kurzen Ausflug in den Münchener Untergrund nochmals zurück ins Krankenhaus. Ich halte das jetzt so wie Vikas Swarup in „Rupien, Rupien“, der schreibt da auch nicht chronologisch sondern kreuz und quer in der Lebensgeschichte seines Helden rum – ist aber auch gut. Weniger gut war die zweite Woche meines Krankenhausaufenthaltes – vor allem deswegen, weil ich von der HNO-Abteilung in die Innere Medizin verlegt wurde und dort war der Altersdurchschnitt der Patienten, wie schon mal erwähnt, mindestens dreistellig mittlerweile glaube ich ja, er war deutlich höher. Zwischen Urinflaschen, Sprachcomputern und Rollstühlen ist es gar nicht mal so einfach wieder einigermaßen fit zu werden. Einfacher wird die Sache aber auch nicht unbedingt dadurch, dass die demenzkranken Patienten auf dem Gang die Schwestern rund machen oder lauthals verkünden: "Joi, joi, joi... mäch träfft der Schlag!"

Etwas Ähnliches ging mir auch durch den Kopf, kurz nachdem ich in dieses Siechenzimmer verlegt wurde. An oberster Stelle des Krankenhauses hatte man scheinbar keine Kosten und Mühen gescheut, mich mit den beiden interessantesten Fällen in eine Zelle... in ein Zimmer zu legen. Meine beiden Zimmergenossen erfüllten wirklich alle Klischees: Da der weg zur Toilette sagenhafte drei Meter achtzig betrug musste die Pulle herhalten... mehrmals. (Übrigens, die Dinger sind gar nicht so teuer! Wer alleine lebt, offene WG-Mitbewohner oder eine tolerante Freundin hat... mit Halterung ab 15 Euro zu haben. - ich kann die jedenfalls nicht mehr sehen!) Ekelhaft, genau! Außerdem ging der technische Firlefanz des Flaschenpinklers mindestens zweimal in der Nacht (nach zwei!!) losjaulte, weil einer der unzähligen Katheder abgeklemmt waren. Der zweite Kandidat erinnerte ungemein an den Wissenschaftler Stephen Hawking. Inklusive Riesenbrille und Sprachcomputer. Klingt jetzt alles sehr zynisch, aber wenn man eine Woche beinahe rund um die Uhr auf so einem Siechen-Zimmer liegt bleibt einem nur noch der Zynismus. Von meinem Fenster hatte ich einen sehr guten Blick auf das Freiburger Gefängnis... Ich hab mich mehrmals bei dem Gedanken ertappt, lieber im Knast sitzen zu wollen als in diesem Zimmer zu liegen. Irgendwann kann man nämlich nur noch liegen - so deprimiert ist man da!


Neben zahlreichen Besuchern (die meisten gingen ziemlich deprimiert) hatte ich allerdings einige Retter: Eckart von Hirschhausen mit "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben", Christoph Biermann (ein toller Name!) mit "Als ich einmal vergas Schalke zu hassen", außerdem 11Freunde. Aber allen voran haben mich Lucky Luke und Mehmet Scholl gerettet. Haben mich beide sozusagen raus geschossen - Luke ohne einmal nachzuladen versteht sich (da bekommt selbst Chuck Norris große Augen!). Und Scholli hat einfach aus seinem Leben erzählt. Danke Luke! Danke Scholli!

Münchener Verhörmethoden

München, U-Bahn, so gegen halb neun hab ich mich heute vertan, besser gesagt ich habe mich verhört... aber mal so richtig. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass der U-Bahn-Pilot die Haltestelle "Himmlerstraße" ausgerufen hatte. Skandal! Das stößt auf Ablehnung - in Zeit und Raum gleichermaßen. Ich höre es deutlich, dieses Krakelen: "Wos? Där Himmler hot eine eigäne Holteställe? Wär hot denn do domols eihentlich gepotscht?" Seltsam, solche Gedanken an einem Donnerstag um halb neun in der U-Bahn zu haben. Als dann der U-Bahn-Pilot aber jovial und doch leicht gestresst meinte "Geh, Leut, ich weiß ja, ihr wollt' alle zur Arbeit, aber wir haben da heut morgen a Riesenstörung!" war ich schon beinahe wieder beruhigt. Riesenstörung... ja, da kann man sich schon mal eben vertun, oder verhören. Die Haltestelle hieß übrigens gar nicht "Himmlerstraße", sondern "Implerstraße"...

Montag, 2. März 2009

Wenn nur noch Pils gegen Pilz hilft

Erst jetzt, fast eine Woche nach meiner Entlassung aus dem Knast... äh aus dem Krankenhaus finde ich die Kraft, mich den angesammelten Traumata zu stellen. Dachte schon, ich brauch einen Therapeuten... wenn die nicht immer so teuer wären und obendrein nicht so viel Mist erzählen würden. Also muss es eben so gehen.

Rückblickend betrachtet war dieses erste Zimmer, in das sie mich verfrachtet haben, gar nicht mal so schlecht. Gut, ich lag nur rum und war vollkommen damit beschäftigt, meinen Frühstückskaffee nicht wieder auszuhusten und meine Pilzinfektion zu ignorieren (was nur bedingt möglich war), aber die Zimmergenossen waren lustige Vögel. Das muss das "Nasenscheidewand-Zimmer" gewesen sein. Alle die da lagen haben sich freiwillig die Nase brechen lassen. Verrückte. Wenn mich jemand fragt, was das so für Leute sind, die sich freiwillig die Nase brechen lassen, sag ich jetzt immer: "das sind die Leute, die jeden, aber auch wirklich jeden Satz mit einem dümmlichen "hehehe" beenden". Die haben's auch nicht anders verdient, dass ihnen die Nase gebrochen wird. Und was haben die gelitten... oje, oje... als hätten der Chirurg ihnen den Zinken mit Nitroglyzerin weggesprengt (zugegeben, auf den ersten Blick war das gar nicht mal so abwegig).


Mit so einem Pilz im Auge liest es sich ebenso schwer wie es sich fern sieht. Dementsprechend zäh gestaltete sich dann auch die Tages- und Abendgestaltung. Wäre da nicht der Husten gewesen, hätte ich den Pilz sicherlich mit Pils bekämpft. Schrecklich übrigens, dass das einzige, das ich einigermaßen lesen konnte ausgerechnet Kicker und SportBild waren - manmanman, so eine Riesenscheiße. Bisher hielt ich immer die FreizeitRevue für belanglos, aber was einem in diesen unsäglichen Sportpostillen aufgetischt wird, schlägt jede "Hansi-Hinterseers-treuester-Fan-von-Giraffe-totgeleckt"-Story aus dem Boulevard-Rätsel-Heft-Segment. Echt zum Abgewöhnen. Wie der Doppelpass im DSF, nur gedruckt!

Wenn man ich solchen Nasen-Zertrümmer-Zimmern liegt und mit Medikamenten zugeschüttet wird hat man seltsamerweise sehr bizarre Träume. Ich wurde zum Beispiel zwei Nächte hintereinander vom militärischen Widerstand (Canaris höchstselbst hatte mich an einem ungemütlichen Samstagnachmittag in sein Büro beordert!) als Doppelagent in eine Nazi-Ordensburg (glaub' es war die in Sonthofen, es lag Schnee) eingeschleust - kein Wunder das ich mitten in der Nacht schweißgebadet aufgeschreckt bin. An die anderen Nächte habe ich zum Glück keine Erinnerung... der Rest war Husten!

Dienstag, 24. Februar 2009

Zwei Wochen Urlaub mit Trakl und Benn

Junge, Junge, das waren zwei echt harte Wochen. Zum einen Krankenhaus und zum anderen waren meine Bettnachbarn... nun sagen wir etwas inkontinent. Aber was will man erwarten, wenn man nach einer Woche HNO in die Innere Medizin verlegt wird, da liegt das Durchschnittsalter der Patienten fast schon im dreistelligen Bereich. Und die ganze Verlegerei nur, damit die Halbgötter in Weiß (es war eigentlich eher ein verwaschenes Grau - der Mediziner von heute verzichtet klimabewusst auf Bleichmittel) nicht auch noch eine Etage tiefer nach der Bronchitis auf 2G rennen müssen. Wie dem auch sei, bevor ich meine neue Reihe "Erinnerungen aus der Pestbaracke" starte, hier schon mal zur Einstimmung ein kleiner Ausschnitt. In der vergangenen Woche kam ich mir vor wie in einem dieser expressionistischen Gedichte aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Angesichts meiner beiden Mitbewohner auf Zeit, hab ich dauernd darauf gewartet, dass der Typ mit seiner Karre vorbei kommt.


Samstag, 7. Februar 2009

Drei Deppen vom Dienst


Ganz schön gruselig, wenn ich daran denke, dass ich "Trio mit vier Fäusten" mal ganz gut fand. Diese drei Detektive, die in einer Hafen-WG auf auf der Jacht "Riptide" wohnten und allerhand kniffelige Fälle lösten (für deren Aufklärung ein gewisser Thomas Sullivan Magnum IV maximal eine Werbeunterbrechung benötigt hätte - wenn überhaupt!) waren echte Granaten - im wahrsten Sinne des Wortes! Alle drei hoch dekorierte Veteranen, immer noch mit Leib und Seele bei der Nationalgarde (in jeder Folge kam mindestens einmal der Spruch: "Oh man Jungs, ich muss ins Bett ich bin seit mindestens 72 Stunden für die Nationalgarde im Einsatz." - Staudamm bewachen oder so!) Jeder Fall führte auf seltsamen Pfaden immer irgendwie zum Militär. ("Hey man seht mal, ein Staudamm. Bewacht den keiner?") Oft trafen die beiden Vietnam-Spezies Nick und Cody einen alten General- oder Admiral-Kumpel ("Oh man, wisst ihr noch diese Kleine in Da Nang, die war vielleicht ein Früchtchen!").



Damit den ganzen alten Freunden aus DaNang, Hanoi, Saigon und weiß-nicht-was flott geholfen werden konnte, hatte das Dynamische Trio noch ein Speedboat, die Ebbtide, und einen altersschwachen Sikorsky-Hubschrauber, die Mimi ("Hey Cody, kannst du fliegen Kumpel, ich war grad 72 Stunden für die Nationalgarde im Einsatz?"). Der Dritte im Bunde war Super-Nerd Dr. Murray Bozinsky, der so ziemlich jedes computergestützte Waffensystem der westlichen Hemisphäre entwickelt zu haben schien, seit... och schon weit vor seiner Geburt. Ich kann mich noch an eine Szene erinnern, in der jagen die drei Super-Detektive in einem Hubschrauber-Prototyp durch einen tiefen Canyon - drei feindliche Kampfhubschrauber hinter sich. Die Hölle - versteht sich. Aber Murray freut sich wie ein Kind. Nick und Cody wundern sich schon und warnen ihn, "bloß nichts anzufassen!" woraufhin Murray nur meint "ich hab dieses Baby entwickelt" - verrückt! Sehr interessant übrigens, dass Murray überdurchschnittlich oft die Frauen abkriegt - ist doch mehr dran an der Männerfreundschaft zwischen Nick und Cody? Bevor das Geheimnis gelüftet werden konnte, wurde "Trio mit Vier Fäusten" nach drei Staffeln eingestellt. Nick & Cody kauften sich ein paar Tiger und machten Karriere in Las Vegas.


Bestes Zitat ever: "Nichts wie weg hier, Leute!"

PS: Die Szene aus dem Vorspann, als die drei mit dem Schlauchboot anrauschen: Wetten dass sich der gute Nick da richtig in den Sand gelegt hat!


Sonntag, 25. Januar 2009

Die Geheimisse des Kartenlegens

Also ich find das ja prima, dass so viele Leute mein Auto toll finden - aber müssen die mir deswegen andauernd diese "Möchten Sie Ihr Auto jetzt oder später verkaufen"-Karten in alle möglichen Dichtungen klemmen? Jeden Tag zwei neue Karten - ich trau mich schon gar nicht mehr anzuhalten! Mit der neuen TÜV-Plakette und dem grünen Abgas-Siegel wird das jetzt auch nicht unbedingt weniger. Hab' mir schon überlegt ein Sammelalbum patentieren zu lassen, aber dann kam ich drauf, dass da die feinen Herrschaften von Panini diese Idee schon vor mir hatten... kann man sich ja an fünf Fingern abzählen! Andererseits: Wer wirft diese "Möchten Sie Ihr Auto jetzt oder später verkaufen"-Karten eigentlich nicht sofort weg? Damit kämpft die ganze Auto-Export-nach-Telefonanruf-Branche. "Das muss sich ändern, aber sofort!" dachten sich da sämtliche Drahtzieher und laminierten alle Karten. Das half aber auch nichts, deswegen griff der Mob zu perfideren Methoden. Letztens musste ich wieder so einen laminierten, völlig überladenen Fresszettel von der Windschutzscheibe knibbeln und wollte ihn schon zerknüllen und wegwerfen, als mein Blick auf eine ganz hundsgemeine Zeile fiel: "Bitte diese Karte nicht wegwerfen - schonen Sie die Umwelt." Na super, was jetzt... hab den Wisch dann erstmal behalten (Klimaschutz geht ja jeden an!) und bin mit quietschenden Reifen zum Briefkasten um die Ecke losgebraust.


Ein viel bedrohlicheres Problem für diesen aufstrebenden Nebenzweig der Automobil-Branche stellt allerdings die Orthographie dar! Man weiß ja oft überhaupt nicht, was die jetzt eigentlich von einem wollen. Klar, zunächst mal Auto kaufen. Aber danach hört es schon auf. Stutzig wurde ich etwa bei dem schönen Satz "Ich bin immer interessiert und dann rufen Sie uns an." Ein breit gefächertes Interesse finde ich prinzipiell erst einmal gut, aber woher weiß der jetzt, dass ich ihn genau dann anrufe, wenn der sich interessiert? Außerdem schreibt der, er ist "immer interessiert"...  Manmanman, da hat er sich aber ein Ei gelegt, rufen sicher ununterbrochen Wildfremde bei ihm an. Auch sehr schön: Die immer wiederkehrende Phrase "Kaufe wie gesehen!" - jaja, wie du kaufst hab ich gesehen! Der Kartenleger schränkt sein Versprechen mit einem augenzwinkernden "Ohne Garantie!" auch in derselben Zeile wieder ein. Ungemein kryptisch auch folgendes, mir unterbreitetes Angebot: "Ankauf und verkauf von Gebrauchtwagen zum Export mit hohe km, m/o tüv, auch unfall und motorschaden". Hmhm, sehr schön. Heißt das jetzt, dass der das mit dem Unfall oder dem Motorschaden deichselt? Kostet das extra? Mein absoluter Lieblingssatz auf einer dieser "Möchten Sie Ihr Auto jetzt oder später verkaufen"-Karten ist jedoch "Wir kommen zu Ihnen egal wohin!" Da ist man schon erst einmal verwirrt: Wie "egal wohin"? Zu mir wollt ihr doch, meine Karre abholen! Wo muss ich denn dann jetzt hin - ist das auch egal?

Versteh' ich alles nicht, außerdem verkauf ich mein Auto nicht. Schon gar nicht am Telefon... obwohl, tauschen würde ich vielleicht.

Also, ich würde mich eventuell bereit erklären, meinen Polo (TÜV und Abgasplakette (grün) neu!!) gegen folgende Fahrzeuge zu tauschen:



Ich werde meinen Polo nicht - ich wiederhole: N-I-C-H-T - gegen folgende Fahrzeuge tauschen, weil doof:

Alle, die mir eben verschwörerisch eine "Möchten Sie Ihr Auto jetzt oder später verkaufen"-Karten zustecken wollten, wissen jetzt Bescheid. Was? Nein, Unfall oder Motorschaden brauch ich auch nicht... Wie? Ist mir scheißegal, ob die Karte laminiert ist!!