Donnerstag, 5. März 2009

Frei:geschossen

Nach dem kurzen Ausflug in den Münchener Untergrund nochmals zurück ins Krankenhaus. Ich halte das jetzt so wie Vikas Swarup in „Rupien, Rupien“, der schreibt da auch nicht chronologisch sondern kreuz und quer in der Lebensgeschichte seines Helden rum – ist aber auch gut. Weniger gut war die zweite Woche meines Krankenhausaufenthaltes – vor allem deswegen, weil ich von der HNO-Abteilung in die Innere Medizin verlegt wurde und dort war der Altersdurchschnitt der Patienten, wie schon mal erwähnt, mindestens dreistellig mittlerweile glaube ich ja, er war deutlich höher. Zwischen Urinflaschen, Sprachcomputern und Rollstühlen ist es gar nicht mal so einfach wieder einigermaßen fit zu werden. Einfacher wird die Sache aber auch nicht unbedingt dadurch, dass die demenzkranken Patienten auf dem Gang die Schwestern rund machen oder lauthals verkünden: "Joi, joi, joi... mäch träfft der Schlag!"

Etwas Ähnliches ging mir auch durch den Kopf, kurz nachdem ich in dieses Siechenzimmer verlegt wurde. An oberster Stelle des Krankenhauses hatte man scheinbar keine Kosten und Mühen gescheut, mich mit den beiden interessantesten Fällen in eine Zelle... in ein Zimmer zu legen. Meine beiden Zimmergenossen erfüllten wirklich alle Klischees: Da der weg zur Toilette sagenhafte drei Meter achtzig betrug musste die Pulle herhalten... mehrmals. (Übrigens, die Dinger sind gar nicht so teuer! Wer alleine lebt, offene WG-Mitbewohner oder eine tolerante Freundin hat... mit Halterung ab 15 Euro zu haben. - ich kann die jedenfalls nicht mehr sehen!) Ekelhaft, genau! Außerdem ging der technische Firlefanz des Flaschenpinklers mindestens zweimal in der Nacht (nach zwei!!) losjaulte, weil einer der unzähligen Katheder abgeklemmt waren. Der zweite Kandidat erinnerte ungemein an den Wissenschaftler Stephen Hawking. Inklusive Riesenbrille und Sprachcomputer. Klingt jetzt alles sehr zynisch, aber wenn man eine Woche beinahe rund um die Uhr auf so einem Siechen-Zimmer liegt bleibt einem nur noch der Zynismus. Von meinem Fenster hatte ich einen sehr guten Blick auf das Freiburger Gefängnis... Ich hab mich mehrmals bei dem Gedanken ertappt, lieber im Knast sitzen zu wollen als in diesem Zimmer zu liegen. Irgendwann kann man nämlich nur noch liegen - so deprimiert ist man da!


Neben zahlreichen Besuchern (die meisten gingen ziemlich deprimiert) hatte ich allerdings einige Retter: Eckart von Hirschhausen mit "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben", Christoph Biermann (ein toller Name!) mit "Als ich einmal vergas Schalke zu hassen", außerdem 11Freunde. Aber allen voran haben mich Lucky Luke und Mehmet Scholl gerettet. Haben mich beide sozusagen raus geschossen - Luke ohne einmal nachzuladen versteht sich (da bekommt selbst Chuck Norris große Augen!). Und Scholli hat einfach aus seinem Leben erzählt. Danke Luke! Danke Scholli!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

und was lernen wir aus der geschicht? puller in die flasche nicht!