Dienstag, 30. Juni 2009

Das ist ja verrückte Science-Fiction!

Mein erstes PC-Spiel war Indiana Jones und der letzte Kreuzzug von LucasGames. Was hat mich damals die wahnsinnig tolle Grafik dieses Adventures begeistert. Bis der Pixel-Indy jedoch das erste Mal die Peitsche schwang dauerte aber. Denn mit den insgesamt vier Disketten (auf denen irgendjemand neunmalklug Indiana Jones zu Indianer Jones korrigiert hatte - Frevel!!), die dem 16MHz "schnellen" 286er-High-End-PC erstmal zu füttern gegeben werdn mussten, hatte der unansehliche Klotz ganz schön zu arbeiten. Nach längerem Rattern ging es dann doch irgendwann los. Wegen des unzureichenden Speicherplatzes (ich meine mich an 16MB zu erinnern) gab es während des Spieles immer mal wieder die Aufforderung "Bitte legen Sie Diskette 2 in das Laufwerk ein". Diskette? Weiß heute kein Mensch mehr was das ist. Vielleicht irgendwas mit Wellness?

Es war damals suuuper revolutionär, dass man Indy ausschließlich mit einer unglaublich klobigen Maus (vom Verkäuer als "unerhörte Innovation" angepriesen) durch die Jagd nach dem heiligen Gral lotste...

Heute sitze ich vor einem iMac... mit Funkmaus... und Online-Telefonie... sowas gab's damals noch nicht einmal in Science-Fiction-Filmen! Dafür war aber die Werbung für Computer und das dazugehörige Equipment um Einiges amüsanter als heute! Die schönsten Werbe-Versprechungen gibt's hier.

Freitag, 26. Juni 2009

You're gonna need a bigger boat!

Spätestens seit der Dokumentation Sharkwater (2006) weiß jeder zweite an der Strandbar, dass jährlich mehr Menschen von Getränkeautomaten getötet werden als von Haien. Wie die heimtückischen Automaten das jedoch anstellen lässt der Film bewusst im Dunkeln. Nichts anderes hat Steven Spielberg 1975 gemacht. In Jaws ist das Biest auch kaum zu sehen, aber man weiß genau: Es lauert dort irgendwo im trüben Wasser.

Peter Benchleys, später von Spielberg verfilmter Roman, propagiert das Bild vom Hai als menschenmordende Fressmaschine. So eine Art Serienmörder ohne Axt und Kettensäge, dafür mit Flossen und Revolvergebiss. Das war für die Publicity der Haie erstmal nicht so gut. Im Gegenteil, Haifischen kam groß in Mode (→ „Nur ein toter Hai, ist ein guter Hai!“) heute ist der Weiße Hai, Carcharodon Carcharias, beinahe ausgestorben. Trotzdem schwang da bei Benchley respektive Spielberg ein beinahe prophetischer Ton mit, denn Weiße Haie sind schon ein bisschen drauf wie Serienmörder.




Tatsächlich jagen Haie ähnlich wie Serienmörder, wie Meeresbiologen aus Miami jetzt herausfanden. Die Wissenschaftler untersuchten die Jagdstrategie von Weißen Haien mit einem Modell, das die Polizei zum Erstellen von Täterprofilen bei Serienmördern entwickelte. Dieses Ermittlungsverfahren beruht auf der Annahme, dass die Lage von Tatorten einer Mordserie Rückschlüsse auf den Wohnort des Täters zulässt. Will sagen: Serienmörder sind ein veflucht faules Pack und fahren nicht gerne weit.

Auf der Jagd nach Robben kundschaften Haie ihre Beute erst einmal aus der Distanz aus, wie Hannibal Lecter das auch macht. Ungefähr 100 Meter vom späteren Angriffsort entfernt suchen sich die Haie ein verstecktes Basislager, von dem aus sie operieren. In der Dämmerung attackiert der Raubfisch dann meist kranke oder allein schwimmende Beutetiere. Wohlgemerkt: Tiere. Denn schon lange vor Sharkwater wusste der aufgeklärte Froschmann, dass der Weiße Hai eben nicht die Nemesis des umweltzerstörenden Menschen ist und die Weltbevölkerung als Rache der Natur systematisch dezimiert, wie in Jaws angedeutet. Eigentlich schmecken Menschen Haien nicht besonders. Eigentlich! Denn auch unter den Haien gibt es Psychopathen.

Zu diesen Psychopathen-Haien gibt es selbstverständlich eine passende Studie - wie zu allem. Zwischen 1950 und 1958 ersann der australischen Forscher Dr. Victor Coppleson eine haarsträubende, als „Verbrecher-Hai Theorie“ bekannte Verhaltens-Idee, der zur Folge einzelne Exemplare einen Geschmack für Menschfleisch entwickeln und immer wieder am Strand dinieren. Einen solchen Badass-Hai ließen dann Spielberg und Benchley in Jaws auf den planschenden Mob los. Das war der erste Verteter des modernen Serienmörder-Hai-Film-Genres. In der Realität ist das natürlich Quatsch, denn wir wissen, dass jährlich mehr Menschen durch Kokusnüsse (150), Blitzschläge (1000) und Flusspferd-Attacken (200) sterben als durch Haiangriffe (4). Es ist schon recht unwahrscheinlich, beim Schwimmen im Meer auf einen Hai zu treffen, noch unwahrscheinlicher jedoch ist es, im Fall der Fälle gleich einem psychopathischen Arschloch-Hai zu begegnen.

© Foto: Hermanusbackpackers


Wenn man allerdings bis zur Brust im Wasser steht und eine dreieckige Flosse auf sich zu schwimmen sieht ist einem erstmal egal, in welcher Stimmung dieser Hai jetzt gerade ist. In dem Moment geht einem nur der Gedanke durch den Kopf "Wieso bin ich Depp eigentlich nicht zum Wandern gefahren?" und natürlich die Musik von Jaws. Außerdem will man dann sofort ganz woanders sein, am besten irgendwo an Land neben einem Getränkeautomaten... obwohl, wer weiß, was der mit einem anstellt!

Donnerstag, 25. Juni 2009

Dienstag, 23. Juni 2009

Umfassende Dossiers



In den gut recherchierten Dossier auf Spiegel Online ist für jeden was dabei...
auch die gut auf das Thema abgestimmten Google- Anzeigen lassen kaum Wünsche offen.
Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

Montag, 22. Juni 2009

Die waren ja eigentlich gar nicht so dick...

Selten hat mir ein Wasserglas so viel Respekt eingeflößt wie Ende September 1993: Achtlos abgestellt auf dem Armaturenbrett kräuselt sich plötzlich die Wasseroberfläche. Einmal... „Spürst du das auch?“ zweimal... ein drittes Mal. Und dann nimmt der T-Rex den Jeep auseinander. DAS war mal was. Und dann das Brüllen... wie ne verklemmte rostige Schrottpresse. Zugegeben, einer wissenschaftlichen Prüfung hält der Plot von Steven Spielbergs Jurassic Park nicht allzu lange stand: aus in Bernstein eingeschlossenen DNA-Resten geklonte Dinosaurier, die ihrem neuen Leben als Luxus-Zootier nichts abgewinnen können... mal ehrlich, da waren doch Drogen im Spiel!



Seit kurzem ist Jurassic Park noch unrealistischer als damals, denn Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass die Urzeit-Viecher wahrscheinlich viel leichter waren als bisher angenommen. Jahrzehntelang haben Paläontologen in Sachen Gewicht einen ganz schönen Tinnef zusammengerechnet. Forscher haben das Modell für den Body-Mass-Index der Saurier mal am Beispiel eines Elefanten durchgerechnet... Elefanten wiegen demnach stolze neun Tonnen. Das ist albern, wiegt ein richtig dicker Kawennsmann von Elefant de facto gerade mal vier Tonnen. So ein Langhals-Dinosaurier, wissenschaftlich korrekt Apatosaurus louisae, wog demnach nicht 38 Tonnen sondern lahme 18 Tonnen. Das könnte im wahrsten Sinne schwerwiegende Folgen haben.

Weil die Biester vielleicht flink und leichtfüßig wie Eidechsen waren geht Hollywood über Nacht ein wunderbar dramaturgischer Kniff flöten. In einer ersten Kurzschlusshandlung wurde bereits Jurassic Park 4 panisch auf Eis gelegt. Nicht auszumalen, wenn im nächsten Dino-Schocker (BILD kreierte damals zum Kinostart ein ganz neues Genre, das bis heute nur drei Machwerke hervorgebracht hat: Jurassic Park, Jurassic Park II und Jurassic Park III) Tyrannosaurus & Co elfengleich auf ihre Opfer zutänzeln. Keine die Erde erschütternden Schritte mehr, nix mehr mit dem Sturm in Wasserglas, ohne Vorwarnung steht der T-Rex vor dir, macht Männchen und ZACK... Schicht im Schacht. Leichtfüssige Dinos taugen einfach nicht als Kassenmagneten.

Bevor bei den Weight-Watchers jetzt die Leitungen glühen... das funktioniert nicht bei Menschen! Auch wenn manche aussehen wie Elefanten oder Dinosaurier... da hat sich in den letzten paar Jahren keiner mit dem Gewicht vertan! Wirklich nicht!

Donnerstag, 18. Juni 2009

Wie Colt auf'm Fahrrad

Meine erste große Liebe traf ich an einem Montag so gegen 17.50 Uhr. Ich war neun, saß mit einer Cola auf der Couch und plötzlich kam sie durch diese Saloon-Schwingtür... mit nichts weiter an als diesem himmelblauen Bikini... eine blonde Göttin... Heather Thomas oder besser: Jody Banks, der schönste beste Kumpel, den Colt Seavers je hatte!

Colt hatte alles: In jeder Folge mindestens eine herrliche Kneipenschlägerei, einen unkaputtbaren GMC Sierra Pick-Up (okay, der musste schon ab und zu mal in die Werkstatt... ungefähr jede zweite Folge, aber was soll's... der Wagen landete um Einiges eleganter als K.I.T.T., die alte Schleuder). Colt kannte jeden beim Film und jeder beim Film kannte Colt. Wenn er über ein Set schlenderte, kam er aus dem Grüßen und Umarmen gar nicht mehr raus. Zu Colts Kumpeln gehörten Clint Eastwood und Steve McQueen... einer cooler als der andere! Außerdem hatte Colt eine Badewanne - draußen! Mann, ein toller Beruf, Stuntman, spitze! - Wollte ich dann damals auch werden. In irgendeinem Sommer wollte ich mit meinem blauen Fahrrad dann auch mal einen Colt-Sprung hinlegen - ging schief! In der dritten Klasse hat man eben noch keine Physik und die Schwerkraft ist in dieser Lebensphase nur ein sehr schwammiger Begriff.



Aber es gab auch Schattenseiten im Glamour-Leben eines Hollywoood-Stuntman in den 80ern. Schon bei der Zusammenstellung der Garderobe tun sich Abgründe auf: Cowboystiefel, (Ich hatte in der dritten Klasse auch mal solche Stiefel! Sau rutschig waren die. Damit lässt man sich lieber nicht auf eine Prügelei ein... Hab's einmal ausprobiert - ging schief!), Holzfällerhemden, Nylonblouson mit Stickerei, riesige Gürtelschnallen und viel zu hoch sitzende Jeans. Mit Blick auf den Klamotten-Fundus einer 80er-Jahre-Serie klingt der Satz "in der Mode kommt alles irgendwann wieder" wie eine mächtige Drohung. Colt war das damals schon egal, der war einfach ein harter Hund. Und wenn sich jemand über seinen Nylonblouson lustig machen wollte gab's eine vor den Ballon!

Colt Seavers war so ein bisschen der James Bond des kleinen Mannes. Bond bekommt von "Q" ja auch immer genau die Ausrüstung, die er dann später braucht: Mini-Hubschrauber zum Zusammenbauen, Pressluftpatronen, unsichtbare Autos, etc. Bei Colt war das ähnlich, der legte zu Beginn jeder Folge genau den spektakulären Stunt hin, mit dem er 40 Minuten später die Bösen überrumpeln und einbuchten konnte. Durchschaubar aber wirkungsvoll. Ich fand das immer super! Mit neun Jahren findet man auch nichts dabei, wenn Colt den Telefonhörer mit einem genervten "Weiber" auf die Gabel knallt. Ich kann mich noch vage daran erinnern, dass meine Schwester einmal wegen irgendetwas ausgeflippt ist. Als meine Oma dann fragte, was los sei, hab ich nur gesagt "Weiber!" - Mein Opa hat sich weggeschmissen, meine Oma fand das nicht so toll. Und da meine Oma das Sagen hatte, durfte ich zwei Wochen nicht "Colt" gucken... Weiber eben!

Am Anfang dachte man ja immer, Colt hat was mit Jody. Dachte Colts Cousin Howie auch, der Knalldepp! War aber gar nicht so. Die waren nur gute Kumpels. Jody hatte nie einen Freund... die ganzen 109 Episoden über. Waren die eigentlich alle bescheuert in Hollywood? Ich hab mir dann immer ausgemalt wie das so läuft, wenn Jody in einer Bar angemacht wurde. Meistens von so Typen von 'ner Rockerbande.

Schmieriger Rockertyp: "Hey Süße, ganz alleine hier!"
Jody: "Nein, ich bin mit meinem Kumpel Colt hier. Mein Freund lebt übrigens in Deutschland und kommt nach, wenn er mit der Schule fertig ist."
Schmieriger Rockertyp: "Aber ich bin jetzt hier und..." --- ZACK--- Schon hatte Colt ihm eine verpasst - guter Kumpel!




Mittwoch, 17. Juni 2009

Was die Skythen schon wussten!

Der Alte Fritz war ja ein ziemlich streitbarer Haudegen. Ganz besonders fuchsig wurde der preußische König immer dann, wenn sich jemand einfach verdrückte. So ist etwa die Anekdote überliefert, dass er seinen fliehenden Truppen nach der Niederlage gegen die Österreicher bei Kolin 1757 wutschnaubend hinterher gerufen haben soll: „Ihr verfluchten Racker, wollt ihr etwa ewig leben?“
Kann man ja auch verstehen. Erst versauen einem Soldaten, die einen komischen Dialekt sprechen, die schon geplante Siegesfeier und dann nehmen auch noch die eigenen Mannen Reißaus – da steht man dann als König ganz schön blöd allein in der Gegend rum.
Mitunter aus diesem Grund hat Deutschland keinen König mehr sondern einen Kaiser. Der steht nicht mehr in der Gegend rum, sondern zieht im Hintergrund die Fäden – als... äh jo gut äh... wie sagt man äh... Lichtgestalt. Für’s Grobe hat der seine Leute, Oliver Bierhoff zum Beispiel. Der hat sich in der Tradition des alten Preußenkönigs zu Wort gemeldet, weil gerade einer öffentlich plant, stiften zu gehen.

Eigentlich wollte Jermaine Jones, in der Abwehr der Grubenkumpel auf Schalke auch ein ziemlich streitbarer Haudegen, für Deutschland bei der WM in Südafrika den Pokal holen. Blöderweise ist Nationaltrainer Jogi Löw jetzt nicht soooo ein Riesen-Fan von Jones und hat ihn nicht ins Team berufen. Der Abwehr-Haudegen aus dem Pütt glaubt sich nun einer Verschwörung ungeahnten Außmaßes auf der Spur: Er darf nur deshalb nicht spielen, weil er tätowiert ist, denn in Deutschland „mag man keine Menschen, die Tattoos haben“ weiß Jones.

Hat sich mal wieder vertan: Jermaine Jones.
Reiten kann er auch nicht.


Gewagt gewagt, Herr Jones! Zu behaupten „in Deutschland mögen sie Tätowierte nicht“, ist in etwa so tollkühn, als ob man sämtlichen Fußballern in der Ersten Fußball-Bundesliga überdurchschnittliche Intelligenz bescheinigt. Das wäre ja albern! Glaubt ja eigentlich auch niemand... außer vielleicht Lothar Matthäus. Aber trotzdem. Allerdings sollten man auch den Jermaine Jones nicht über’s Knie brechen, wo in der Bundesliga sowieso schon viel zu viel hochsterilisiert wird. Der Herr Jones hat sich schlicht und einfach vertan.

Als Fan von Tattoos will man ja auch wissen, woher das alles so kommt mit der Körperkunst. Und da stößt der Neugierige irgendwann zwangsläufig auf die Skythen, einen recht wilden eisenzeitlichen Reiterhaufen, der im ersten Jahrtausend v.Chr. immer mal wieder über andere eisenzeitliche Haufen herfiel. Die haben wohl mit der ganzen Tätowiererei angefangen. Die Deutschen, oder vielmehr die Leute, die dort lebten, wo heute Deutschland liegt, konnten die Skythen deswegen nicht so gut leiden, weil sie dauernd mordend und plündernd durch die Gegend zogen, nicht weil sie tätowiert waren. Sich anzumalen fanden eigentlich alle cool. Ötzi war übrigens auch tätowiert.
Bei der Lektüre von Renate Rolles Die Welt der Skythen: Stutenmelker und Pferdebogner – Ein antikes Reitervolk in neuer Sicht (Frankfurt/M 1980) wird Jermaine Jones etwas durcheinander gekommen sein. Aber dass in diesem Standartwerk der Unterschied zwischen "mordend und plündernd durch die Gegend ziehen" und "tätowiert sein" nicht deutlich genug herausgearbeitet wird, kann man ja schwerlich dem wissbegierigen Fußball-Intellektuellen ankreiden. Da hat er sich eben vertan. Kurz darauf hat er sich gleich nochmal vertan... ja, genau genommen hat er sich im Zorn sogar verwechselt! Das passt schon eher zum gängigen Bild vom Fußballprofi.

Der feiner Herr Jones will nämlich ab sofort er für die Amis spielen. Moment? Wie jetzt "für die Amis"? Klare Sache, dass er sich da verwechselt hat! Eigentlich müsste er für die Skythen auflaufen, er ist ja tätowiert! Vielleicht kann er aber auch einfach nicht gut genug reiten. So ein Nationalmannschaftswechsel geht ja seit kurzem sogar, denn ein paar FIFA-Funktionäre haben das an einem Pool auf den Bahamas mit Bikinischönheiten und vielen Cocktails mal eben so beschlossen.
Und weil der feine Herr Jones schon einmal dabei war hat er sich noch einmal vertan! Er hat die Chance vertan, ein ganz großer im Bankgewerbe zu werden. Vielleicht wäre er in Südafrika mit sehr viel Engagement zum neuen Günther Hermann geworden... zu einem tätowierten Günther Hermann... einer verdammt coolen Sau. Dann hätte er ewig gelebt! Der Alte Bierhoff hat dann in etwa so was in der Richtung gesagt: „Du verfluchter Racker, willst du etwa Fußball spielen?“ Wie der Alte Fritz eben.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Erlöse uns von dem Bösen...

Eigentlich dachte ich ja, jedes Wort über dieses filmische Desaster wäre zu viel. Im Grunde stimmt das ja auch, aber Opfern von Pestepidemien, Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Tsunamis, Flugzeugabstürzen, Feuerstürmen und Haiangriffen wird immer nahe gelegt, über ihre Erlebnisse zu sprechen, um potentiellen Traumata vorzubeugen. Vorbeugen wollte ich mich im Kino auch immer wieder... um mich zu übergeben. Kurz gesagt: Terminator – Die Erlösung ist so ziemlich die blödeste Grütze, die ich in den vergangenen Jahren im Kino gesehen habe (Indiana Jones 4 zählt da nicht, denn ein vierter Teil von Indiana Jones existiert gar nicht), nur Highlander III war damals fürchterlicher.

John Connor (Christan Bale) kämpft gegen
Skynet - und seine eigenen Erlöser-Allüren.

Wo anfangen, bei diesem infernalischen Machwerk? Vielleicht mit dem Ende, oder besser mit dem Anfang vom Ende, denn das Beste kommt fast zum Schluss. Jene Szene, in der sich John Connor (diesmal sehr lahm: Christian Bale) dem neu entwickelten T-800 gegenüber sieht, ist - mit Abstand - der Höhepunkt des ganzen Maschinen-Kaputtmach-Schinkens. Eigentlich auch nur deshalb, weil der T-800 genau so aussieht, wie schon in den drei Vorgängerfilmen, nämlich wie der Gouvernator. Leider gestehen die Macher dem computeranimierten Cameo des Hühnen dieses Mal keine schmissigen Oneliner wie "Hasta la Vista, Baby" oder "I'll be back" zu. Ohnehin verzichtet Terminator - Die Erlösung vollständig auf den selbstironischen Ton der Vorgänger. Selbst eine so brillante Steilvorlage wie John Connors Frage "Was bist du?" lässt der Marcus Wright (Sam Worthington als Hybrid wider Willen) ungenutzt. In den Schwarzenegger-Äktsch'nmovies unvorstellbar. "Ein Meter achtundneunzig!", "Ziemlich grantig!" und "Bald wieder zurück!" wären mit Sicherheit beim T-800 als mögliche Antworten auf dem Interface erschienen. Wahrscheinlich ist Christian Bale am Set in grandioser Klaus-Kinski-Manier ausgetickt, weil der T-800 nicht "Gib mir deine Kleidung, deine Steifel und dein Motorrad" zu ihm sagt und nicht, weil angeblich Kameramann Shane Hurlbut durchs Bild gewatschelt ist.

Regisseur McG, zu Recht als "Leichtgewicht" betitelt, gelingt es, jede interessante Figurenkonstellation auszuklammern. Nur zwei Beispiele: John Connor bekam von seiner Mutter sein ganzes Leben lang eingetrichtert, der Retter der Menschheit zu sein, im Augenblick darbt er jedoch nur mit der Flinte im Fußvolk. Wie fühlt der sich jetzt dabei? Ist der traurig? Sein Heimchen am Herd, sinnigerweise Ärztin (erweist sich später als recht praktisch, denn sie kann in der Wüste eine Herztransplantation vornehmen - ich wage zu bezweifeln, dass sie mehr als einen Strohhalm zur verfügung hatte) ist übrigens schwanger... wird auch nicht thematisiert. Nicht zu erwähnen, dass das Drama um Marcus Wright in Gänze unerwähnt bleibt. Immerhin muss der Gute in der Überzeugung ein Mensch zu sein, nicht nur erkennen, dass er eine Maschine ist, sondern obendrein auch noch vom Inbegriff des absolut Bösen (hier SkyNet, nicht das Imperium) zusammengeschraubt wurde.

Der kommt wieder - mit Sicherheit!

Terminator - Die Erlösung kommt ganz ohne Humor aus und ist dennoch über alle Maßen komisch - unfreiwillig. Der Dialog zwischen Marcus Wright (Worthington) und der abgeschossenen Pilotin Blair Williams (Moon Bloodgood) in der nächtlichen Wüste liegt qualitativ nur knapp über den platten "Wieso liegt denn da Stroh"-Dialogen eines drittklassigen Pornostreifens. In Ermangelung neuer Text-Ideen werden auch schon mal Zitate aus den drei Vorgängern kurzerhand aufgewärmt, beispielsweise Schwarzeneggers hölzernes "Komm mit mir, wenn du leben willst!". Müsste man meinen, dass durch solche Zitate eine gewisse Kontinuität geschaffen wird, wirken die Zeilen hier nur ausgesprochen bemüht und deplaziert. Selten war das Gefühl, alles schon mal irgendwo gesehen zu haben, bei einem Film so stark wie bei Terminator - Die Erlösung: Die Terminator-Armee entpuppt sich als eine Transformers-Truppe für Arme, denen im Gegensatz zu den Original Falt-Robotern selbst mit einem Abschleppseil leicht beizukommen ist. In den postapokalyptischen USA kann man das Reifenquietschen förmlich hören, mit dem Mad Max in seiner verbeulten Karre jeden Moment um die nächste Düne biegt. Und John Connor geht einem sowieso spätestens nach einer halben Stunde mit seinen Auserwählter-Allüren genauso auf den Sack wie Neo in Matrix Reloaded und Matrix Revolutions. SkyNet selbst erweist sich als blank poliertes Hybridwesen, konzipiert aus dem galaktischen Imperium ohne Darth Vader, der künstlichen Intelligenz V.I.K.I. aus I, Robot und der Matrix höchstpersönlich. Diese Apokalypse sieht zwar dank Hurlbuts Kamera ganz nett und wie aus einem Guss aus, es bleibt aber zusammen geklaubt. Nicht verwunderlich, zeichnen sich John Brancato und Michael Ferris für das Drehbuch mit verantwortlich. Beiden verdankt die Menschheit den Plot des beispiellosen Catwoman mit Halle Berry.

Und dann fällt er doch noch, der Satz, der die Bedrohung der Terminator aus der Zukunft schon 1984 auf eine kurze Zeile eindampfte: "Ich komme wieder!" Doch diesmal ist es nicht die mordende Maschine, die die Drohung ausspricht, sondern John Connor selbst. Das macht einem mehr Angst als alle Terminator zusammen.