Donnerstag, 18. Juni 2009

Wie Colt auf'm Fahrrad

Meine erste große Liebe traf ich an einem Montag so gegen 17.50 Uhr. Ich war neun, saß mit einer Cola auf der Couch und plötzlich kam sie durch diese Saloon-Schwingtür... mit nichts weiter an als diesem himmelblauen Bikini... eine blonde Göttin... Heather Thomas oder besser: Jody Banks, der schönste beste Kumpel, den Colt Seavers je hatte!

Colt hatte alles: In jeder Folge mindestens eine herrliche Kneipenschlägerei, einen unkaputtbaren GMC Sierra Pick-Up (okay, der musste schon ab und zu mal in die Werkstatt... ungefähr jede zweite Folge, aber was soll's... der Wagen landete um Einiges eleganter als K.I.T.T., die alte Schleuder). Colt kannte jeden beim Film und jeder beim Film kannte Colt. Wenn er über ein Set schlenderte, kam er aus dem Grüßen und Umarmen gar nicht mehr raus. Zu Colts Kumpeln gehörten Clint Eastwood und Steve McQueen... einer cooler als der andere! Außerdem hatte Colt eine Badewanne - draußen! Mann, ein toller Beruf, Stuntman, spitze! - Wollte ich dann damals auch werden. In irgendeinem Sommer wollte ich mit meinem blauen Fahrrad dann auch mal einen Colt-Sprung hinlegen - ging schief! In der dritten Klasse hat man eben noch keine Physik und die Schwerkraft ist in dieser Lebensphase nur ein sehr schwammiger Begriff.



Aber es gab auch Schattenseiten im Glamour-Leben eines Hollywoood-Stuntman in den 80ern. Schon bei der Zusammenstellung der Garderobe tun sich Abgründe auf: Cowboystiefel, (Ich hatte in der dritten Klasse auch mal solche Stiefel! Sau rutschig waren die. Damit lässt man sich lieber nicht auf eine Prügelei ein... Hab's einmal ausprobiert - ging schief!), Holzfällerhemden, Nylonblouson mit Stickerei, riesige Gürtelschnallen und viel zu hoch sitzende Jeans. Mit Blick auf den Klamotten-Fundus einer 80er-Jahre-Serie klingt der Satz "in der Mode kommt alles irgendwann wieder" wie eine mächtige Drohung. Colt war das damals schon egal, der war einfach ein harter Hund. Und wenn sich jemand über seinen Nylonblouson lustig machen wollte gab's eine vor den Ballon!

Colt Seavers war so ein bisschen der James Bond des kleinen Mannes. Bond bekommt von "Q" ja auch immer genau die Ausrüstung, die er dann später braucht: Mini-Hubschrauber zum Zusammenbauen, Pressluftpatronen, unsichtbare Autos, etc. Bei Colt war das ähnlich, der legte zu Beginn jeder Folge genau den spektakulären Stunt hin, mit dem er 40 Minuten später die Bösen überrumpeln und einbuchten konnte. Durchschaubar aber wirkungsvoll. Ich fand das immer super! Mit neun Jahren findet man auch nichts dabei, wenn Colt den Telefonhörer mit einem genervten "Weiber" auf die Gabel knallt. Ich kann mich noch vage daran erinnern, dass meine Schwester einmal wegen irgendetwas ausgeflippt ist. Als meine Oma dann fragte, was los sei, hab ich nur gesagt "Weiber!" - Mein Opa hat sich weggeschmissen, meine Oma fand das nicht so toll. Und da meine Oma das Sagen hatte, durfte ich zwei Wochen nicht "Colt" gucken... Weiber eben!

Am Anfang dachte man ja immer, Colt hat was mit Jody. Dachte Colts Cousin Howie auch, der Knalldepp! War aber gar nicht so. Die waren nur gute Kumpels. Jody hatte nie einen Freund... die ganzen 109 Episoden über. Waren die eigentlich alle bescheuert in Hollywood? Ich hab mir dann immer ausgemalt wie das so läuft, wenn Jody in einer Bar angemacht wurde. Meistens von so Typen von 'ner Rockerbande.

Schmieriger Rockertyp: "Hey Süße, ganz alleine hier!"
Jody: "Nein, ich bin mit meinem Kumpel Colt hier. Mein Freund lebt übrigens in Deutschland und kommt nach, wenn er mit der Schule fertig ist."
Schmieriger Rockertyp: "Aber ich bin jetzt hier und..." --- ZACK--- Schon hatte Colt ihm eine verpasst - guter Kumpel!




1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

der name alleine sagt alles. COLT AS ICE!