Freitag, 26. Juni 2009

You're gonna need a bigger boat!

Spätestens seit der Dokumentation Sharkwater (2006) weiß jeder zweite an der Strandbar, dass jährlich mehr Menschen von Getränkeautomaten getötet werden als von Haien. Wie die heimtückischen Automaten das jedoch anstellen lässt der Film bewusst im Dunkeln. Nichts anderes hat Steven Spielberg 1975 gemacht. In Jaws ist das Biest auch kaum zu sehen, aber man weiß genau: Es lauert dort irgendwo im trüben Wasser.

Peter Benchleys, später von Spielberg verfilmter Roman, propagiert das Bild vom Hai als menschenmordende Fressmaschine. So eine Art Serienmörder ohne Axt und Kettensäge, dafür mit Flossen und Revolvergebiss. Das war für die Publicity der Haie erstmal nicht so gut. Im Gegenteil, Haifischen kam groß in Mode (→ „Nur ein toter Hai, ist ein guter Hai!“) heute ist der Weiße Hai, Carcharodon Carcharias, beinahe ausgestorben. Trotzdem schwang da bei Benchley respektive Spielberg ein beinahe prophetischer Ton mit, denn Weiße Haie sind schon ein bisschen drauf wie Serienmörder.




Tatsächlich jagen Haie ähnlich wie Serienmörder, wie Meeresbiologen aus Miami jetzt herausfanden. Die Wissenschaftler untersuchten die Jagdstrategie von Weißen Haien mit einem Modell, das die Polizei zum Erstellen von Täterprofilen bei Serienmördern entwickelte. Dieses Ermittlungsverfahren beruht auf der Annahme, dass die Lage von Tatorten einer Mordserie Rückschlüsse auf den Wohnort des Täters zulässt. Will sagen: Serienmörder sind ein veflucht faules Pack und fahren nicht gerne weit.

Auf der Jagd nach Robben kundschaften Haie ihre Beute erst einmal aus der Distanz aus, wie Hannibal Lecter das auch macht. Ungefähr 100 Meter vom späteren Angriffsort entfernt suchen sich die Haie ein verstecktes Basislager, von dem aus sie operieren. In der Dämmerung attackiert der Raubfisch dann meist kranke oder allein schwimmende Beutetiere. Wohlgemerkt: Tiere. Denn schon lange vor Sharkwater wusste der aufgeklärte Froschmann, dass der Weiße Hai eben nicht die Nemesis des umweltzerstörenden Menschen ist und die Weltbevölkerung als Rache der Natur systematisch dezimiert, wie in Jaws angedeutet. Eigentlich schmecken Menschen Haien nicht besonders. Eigentlich! Denn auch unter den Haien gibt es Psychopathen.

Zu diesen Psychopathen-Haien gibt es selbstverständlich eine passende Studie - wie zu allem. Zwischen 1950 und 1958 ersann der australischen Forscher Dr. Victor Coppleson eine haarsträubende, als „Verbrecher-Hai Theorie“ bekannte Verhaltens-Idee, der zur Folge einzelne Exemplare einen Geschmack für Menschfleisch entwickeln und immer wieder am Strand dinieren. Einen solchen Badass-Hai ließen dann Spielberg und Benchley in Jaws auf den planschenden Mob los. Das war der erste Verteter des modernen Serienmörder-Hai-Film-Genres. In der Realität ist das natürlich Quatsch, denn wir wissen, dass jährlich mehr Menschen durch Kokusnüsse (150), Blitzschläge (1000) und Flusspferd-Attacken (200) sterben als durch Haiangriffe (4). Es ist schon recht unwahrscheinlich, beim Schwimmen im Meer auf einen Hai zu treffen, noch unwahrscheinlicher jedoch ist es, im Fall der Fälle gleich einem psychopathischen Arschloch-Hai zu begegnen.

© Foto: Hermanusbackpackers


Wenn man allerdings bis zur Brust im Wasser steht und eine dreieckige Flosse auf sich zu schwimmen sieht ist einem erstmal egal, in welcher Stimmung dieser Hai jetzt gerade ist. In dem Moment geht einem nur der Gedanke durch den Kopf "Wieso bin ich Depp eigentlich nicht zum Wandern gefahren?" und natürlich die Musik von Jaws. Außerdem will man dann sofort ganz woanders sein, am besten irgendwo an Land neben einem Getränkeautomaten... obwohl, wer weiß, was der mit einem anstellt!

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