Mittwoch, 5. August 2009

Dial "P" for Paranoia

Mittlerweile sind alle Befürchtungen zur Gewissheit geworden: Ich werde überwacht! Es gibt keinen Zweifel. Ich sehe Gespenster? Natürlich, sehe ich sie. Ich w-e-i-ß, dass sie da sind! Knacken in der Leitung? Schritte im nächtlichen Hausflur, die plötzlich verstummen? Ständig rollt mir ein Lieferwagen mit getönten Scheiben nach – sehr langsam. Wenn ich mich umdrehe hält er. Jedes Mal läuft mir ein Schauer über den Rücken. Es ist immer ein anderes Fahrzeugmodel, aber die Farbe ist ähnlich... das sind die! Zunächst messe ich dem Gefühl, ständig beobachtet zu werden, keine große Bedeutung zu. Schlafmangel gepaart mit einer Portion Stress und angereichert mit jeder Menge deja vus gehören doch heute zum guten Ton.
Aber dann machen sie einen Fehler! Mittwochnacht, 2:36 Uhr. Alles ist wie immer. Ich schlafe. Dass das Mobiltelefon rhythmisch vibrierend auf dem Schreibtisch herum zu wandern beginnt, nehme ich nur durch den wabernden Vorhang des Halbschlafes wahr. „Rufnummer unterdrückt“ leuchtet es mir von dem gleißend grellen Display entgegen.

Auf mein mühsam hervorgebrachtes „Hallo?“ antwortet eine mir unverfroren gut gelaunte Stimme: „Hallo auch!“
In einem Anflug scharfsinnigen Misstrauens, an den ich mich angesichts der nächtlichen Stunde noch in grauer Zukunft voller Stolz erinnern werde, fragte ich messerscharf zurück:
„Wer ist denn da?“
„Oh, ich bin's natürlich!“ - Natürlich! Natürlich?

Mir ist in diesem Moment klar: Es ist ein Arschloch. Gleichzeitig bin ich mir unschlüssig, was mich mehr ärgert. Die Tatsache, zu dieser Zeit aus dem Schlaf gerissen zu werden oder diese beschissene gute Laune des ominösen Anrufers.
„Ich hatte Langeweile“, flötet mein unbekannter Gegenüber weiter. Und: „Haste Lust zu Quatschen?“
Mein 80er-Jahre Serienheld Thomas Magnum würde jetzt sagen: „Ich weiß, was Sie denken. Und Sie haben recht!“ Ich hole gerade tief Luft, um diesem gutgelaunten Idioten gehörig die Meinung sagen, was er sich einbilde, mich Mittwochnacht um 2:36 Uhr anzurufen und "quatschen" zu wollen... Doch plötzlich stockt mir der Atem. Ein Knacken in der Leitung. Hört jemand mit? War da nicht auch dieser missionarische Unterton in der Stimme? Eine Sekte? Ein Seelenfänger? Siedend fällt mir ein: Die Rufnummer ist unterdrückt! Geheimdienst!

„Woher haben Sie diese Nummer?“ Versuche ich, mit nachdrücklicher Stimme zu insistieren, doch ein Zittern bleibt.
„Oh, ich hab nur so willkürlich ein paar Nummern eingetippt“, trällert der mysteriöse Anrufer.

Willkürlich? Ich lege sofort auf. Woher haben die meine Nummer. Schweißgebadet stürze ich ans Fenster. Genau in diesem Moment rollt auf der Straße ein Lieferwagen mit abgedunkelten Scheiben vorbei - sehr langsam. Als ich das Fenster aufreiße, beschleunigt der Wagen und verschwindet mit quietschenden Reifen um die nächste Ecke. Jetzt weiß ich: sie sind hinter mir her! Die restliche Nacht verbringe ich seltsamerweise mit einem Kochtopf als Helm bei eingeschaltetem Licht in einer Ecke meines Zimmers. Wann kommen sie mich holen?

3 Kommentare:

Lena hat gesagt…

Kochtopf? Du musst dir einen Helm aus Alufolie basteln, damit sie deine Gedanken nicht abhören können!!

Kai hat gesagt…

Ich weiß... war alle.

Katharina hat gesagt…

Davon hätte ich bitte gerne ein Foto, da kann ich dann drauf schauen wenn ich mal schlecht gelaunt bin :)... Ob ich dich nicht ernst nehme? Natürlich nehme ich dich ernst! Wie war die Farbe des Lieferwagens nochmal? Ich werde wachsam sein...
lieben Gruß Katharina