Freitag, 2. Oktober 2009

Der Panaden-Zwischenfall

So langsam hab' ich die Faxen dicke! Ich lass' mir ja einiges gefallen, sei es eine lückenlose 24h-Überwachung, abgehörte Telefone, ein Lieferwagen mit abgedunkelten Scheiben, der ständig und überall hinter einem herrollt oder Privatfernsehen... meinetwegen. Alles zum Wohle des Volkes, versteht sich. Von mir aus! Doch jetzt haben die eine weitere Eskalationsstufe auf der Treppe nach 1984 betreten.

Wie es dazu kam, wird wohl nie ganz geklärt werden, wahrscheinlich bin ich der Geheimen Hauptverwaltung einfach zu gefährlich geworden. Nachdem ich vor Kurzem die Ferndiagnose des maroden Überwachungsapparates belauschen konnte war das absehbar. Nach akribischem Studium sämtlicher Protokolle und Abschriften war klar: "Der weiß zuviel, der muss weg!" Na super. Was die Schlapphüte jedoch nicht bedacht hatten: wenn man paranoid ist, lauert der Tod ohnehin überall. An j-e-d-e-r Ecke. Unbedarfte Menschen warten oft am Zebrastreifen und werden vom Klavier erschlagen. Kann mir nicht passieren: ich rechne immer mit einem fallenden Klavier. Klappt ganz gut. Lebe noch.

Um aber auf jenen Zwischenfall zurück zu kommen, der in der Überwachungsgeschichte der Nachkriegszeit noch Jahrzehnte beispiellos bleiben wird:
Ein nicht weiter erwähnenswerter Montag, 12:17Uhr, Hunger rumpelte mir durch die Magengegend wie ein Boxauto von der Kirmes, in dem sich ein achtjähriges Einzelkind abreagiert. Die Mensa lag nahe. Angesichts des wartenden Mobs hatte das Kombinat der Mensa vermutlich schon zum zweiten Mal in diesem Sommer Fleisch zugeteilt. Richtig vermutet. Paniertes Schnitzel. Mit Pommes. An sich nichts Ungewöhnliches. Trotzdem beschlich mich ein ungutes Gefühl...

Gedankenverloren schaufelte ich Fleisch und Pommes in meine leere Magengrube. Eigentlich ganz gut. Dennoch: irgendetwas stimmte nicht. Aber was? Hektisch schossen meine Augen unter halb geschlossenen Lidern hin und her. Nichts. Drei Pommes später das gleiche Gefühl. Beim Blick über den Tellerrand schien alles ruhig. Zu ruhig. Angespannt aß ich langsam kauend weiter... Aus dem Augenwinkel nahm ich eine plötzliche Bewegung wahr. Blitzschnell riss ich den Kopf herum. Da war sie, die grausame Wahrheit. Meine Gedanken rasten. Schlagartig war klar, was diese beängstigende Unruhe ausgelöst hatte. Bilder stürzten auf mich ein. Schwindel erfasste mich. Dann ein trockenes Würgen, eher ein Röcheln. Alles drehte sich. Auf der Gabel, mit der ich eben erst zielsicher das letzte mundgerechte Stück Fleisch durchbohrt hatte, wand sich zuckend eine elfenbeinfarbene Made.

Während meiner Kehle ein Stöhnen entfuhr, das die Jura-Studentinnen am Nebentisch befremdlich die Nase rümpfen ließ, nahm das Boxauto in meinem Magen erneut Fahrt auf. Eigentlich hatte ich mir meinem rebellierenden Innereien mehr als genug zu tun, trotzdem fiel es mir auf: die sich windende Made, die immer weiter ihre obszönen Kapriolen auf dem panierten Rest eines Schweines schlug... ausgerechnet auf meinem Teller. Absicht! Ganz eindeutig! Warum sollte ich sonst ausgerechnet das Schnitzel mit der madenverseuchten Panade abkriegen? Und doch bei allem Ekel musste ich der Brillanz dieses teuflischen Plans meinen Respekt zollen. Eine logistische Meisterleistung die Made aus dem Speck in die Panade des Schnitzels zu verpflanzen - lebendig und dazu auf meinen Teller abzusetzen. Richtiger Geheimscheiß war das. Die Made in der Panade! Das konnten nur die.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hehe. lieber eine made im schnitzel als eine im tee!

Mathias hat gesagt…

Na dann, bis später in der Mensa, es gibt Geflügelnuggets...paniert!

\Klugscheißmodus an: Das "das(s)" im ersten Satz des letzten Abschnitts bezieht sich auf das Stöhnen, schreibt sich also nur mit einem s. Aber Du warst ja auch schon immer ein Rebell... :Klugscheißmodus aus\

Kai hat gesagt…

@SaE... allerdings! Deswegen mein Tipp: den Tee stes ohne Panade bestellen.

@Mathias...
Versteh' nicht was du meinst. Da musst du dich verlesen haben.

Mathias hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Mathias hat gesagt…

Der geneigte Leser möge selbst entscheiden, warum mein Kommentar auf 10:00 heute morgen datiert war, während die letzte Bearbeitung Deines Blogs um 15:56 stattfand...

Mist! Hab mich jetzt durch nachträglichle Bearbeitung/Löschung meines Kommentars wegen Rehctshreibfählern wohl selbst disqualifiziert...