Jetzt ist schon wieder was passiert. Noch sind die Dimensionen nicht überschaubar, aber es zeichnet sich etwas Großes ab. Ich hasse es, wenn so etwas passiert... aber was soll ich machen, die haben ihre Leute überall. Und nicht nur dass. Jetzt kämpfen sie mit harten Bandagen. Haben ihre übelsten Folterknechte auf mich losgelassen. Geschickt wie sie das eingefädelt haben. Nichts ist ihnen nachzuweisen, aber wer würde mir schon glauben? Genau. Niemand. Sie erwischen mich immer genau dann, wenn ich es nicht erwarte. Sicher das Alter. Die Reflexe lassen nach. Die Instinkte sind schon lange baden gegangen. Oder aber... genau, das Morgengrauen muss es sein... in Kombination mit den beiden anderen Punkten. Will ich ja gar nicht abstreiten.
Es ist kalt. Und dunkel. Außerdem regnet es. Toll. In der nächsten Stunde wird sich daran auch nichts ändern. Es ist Scheiß-Winter. Warum ich ausgerechnet heute meine Zugfahrkarte nicht direkt neben dem Eingang am Automat ziehe? Das sollte ich mich für den Rest des Tages fragen. Stattdessen halte ich es um 7:46 Uhr für eine wirklich gute Idee, das Reisezentrum der Deutschen Bahn zu betreten. Das Reisezentrum des Schreckens. Nichts anderes als ein nicht gekennzeichneter Folterkeller von ihnen. Doch von all dem ahne ich um 7:47 Uhr noch nichts. Denn während von draußen eisiger Regen gegen die schwarzen Scheiben des Bahnhofes klatscht, erscheint das hell erleuchtete Reisezentrum der Bahn wie ein Hort der Geborgenheit. Und vor allem: es ist vollkommen leer!
Neonröhren spiegeln sich im blank gewienerten Boden. Das Rot der ausliegenden Fahrpläne und Sondertarif-Broschüre leuchtet warm und kämpft verzweifelt, gegen das kalte Licht der Deckenstrahler ist es chancenlos. So wie ich... ohne es zu ahnen. Drei Angestellte der Bahn versuchen beschäftigt auszusehen, indem sie einer einsamen Kundin die Funktionsweise eines Telefons erklären. Drei Handlanger der Verspätung. Gut, Kumpel, da musst du jetzt durch, sag ich mir und trete vor eine Schergin des Schienenverkehrs. Irgendetwas stimmt nicht. Noch bevor ich etwas sagen kann faucht mich dieses Wesen über den Tresen hinweg an. Die Raumtemperatur fällt rapide um dreizehn Grad als sie schnarrt "Sie müssen eine Nummer ziehen!" Ihre Augen glitzern gefährlich. Es sind die Augen eines Hais. Gefühllos. Brutal. Draußen, im dunklen Nass dieses Novembermorgens ist es jetzt schön warm. Ich will hier weg.
Ich schlucke. Meine Handflächen sind bereits feucht. Mit trockenem Mund blicke ich nach rechts. Nichts. Nur Neonröhren im spiegelblanken Boden. Links das gleiche. Ich bin richtig gehend enttäuscht, dass der Wind keine Präriegraskugel durch das Reisezentrum treibt.
"Es ist aber doch..." setze ich an. Weit komme ich nicht."Ohne Nummer kann ich Sie nicht bedienen!"
"...leer!"
Sie starrt mich an. Ich versuche zurück zu starren. Das Rot der Fahrpläne hat mehr Chancen gegen die Neonröhren als ich gegen diese Verkörperung des Bösen.
"Sie müssen eine Nummer ziehen!"
Ich Resigniere bereits. "Ist ja gut."
"Nu werden Sie mal nicht frech!"
"Was? Ich hab... ich meine...!" In ihren Haiaugen
blitzt für einen kurzen Moment etwas auf. Etwas das mir einen Schauer über den Rücken jagt. Sie weiß es. Sie weiß bescheid. Sie gehört zu denen. Nickt sie tatsächlich kurz. Es ist 7:52 Uhr. Mein Zeitfenster schließt sich langsam aber unbarmherzig. Ich brauche eine Nummer. Schnell. Auf dem Weg zum Nummernautomat spüre ich den Blich dieses Ungeheuers wie glühende Nadeln in meinem Rücken. Und dann offenbart sich mir ihr perfider Plan in allen Einzelheiten: Wie aus dem Nichts stehen plötzlich vier Leute vor dem Automaten. Sie nicken mir zu... Panik steigt in mir auf... als ich meine Nummer anfordere ist es 7:59 Uhr. Der Automat röchelt wie ein sterbender Rasenmäher und spuckt einen Schein aus. 230. Nummer 224 lässt am Schalter gerade ihre Tasche fallen, deren Inhalt sich auf dem ganzen Hallenboden zu verteilen scheint. Sieben Köpfe drehen sich in meine Richtung und sehen mich an und nicken. Dann renn ich los... ohne 230. Es ist 8:30 Uhr und der Tag hat noch nicht einmal angefangen.
blitzt für einen kurzen Moment etwas auf. Etwas das mir einen Schauer über den Rücken jagt. Sie weiß es. Sie weiß bescheid. Sie gehört zu denen. Nickt sie tatsächlich kurz. Es ist 7:52 Uhr. Mein Zeitfenster schließt sich langsam aber unbarmherzig. Ich brauche eine Nummer. Schnell. Auf dem Weg zum Nummernautomat spüre ich den Blich dieses Ungeheuers wie glühende Nadeln in meinem Rücken. Und dann offenbart sich mir ihr perfider Plan in allen Einzelheiten: Wie aus dem Nichts stehen plötzlich vier Leute vor dem Automaten. Sie nicken mir zu... Panik steigt in mir auf... als ich meine Nummer anfordere ist es 7:59 Uhr. Der Automat röchelt wie ein sterbender Rasenmäher und spuckt einen Schein aus. 230. Nummer 224 lässt am Schalter gerade ihre Tasche fallen, deren Inhalt sich auf dem ganzen Hallenboden zu verteilen scheint. Sieben Köpfe drehen sich in meine Richtung und sehen mich an und nicken. Dann renn ich los... ohne 230. Es ist 8:30 Uhr und der Tag hat noch nicht einmal angefangen.