Freitag, 7. Mai 2010

Bei Podolskis zu Hause

Was hatte uns der Karnevalsprinz nicht genervt "Ihr müsst unbedingt kommen, nächste Woche hau' ich dem Heerwegen die Bude voll. Mach ich alles klar für Südafrika!" Wichtich is auf'm Dach, fiel mir da nur noch ein. Gut, nun schlägt man einem Prinzen nicht so mir nichts dir nichts einen Wunsch ab... auch einem Karnevalsprinzen nicht. Also annen Rhing. Und sollte es Prinz Poldi in seinem vollmundig angepriesenen Schützenfest im Schatten des Doms  nicht gelingen innerhalb von 90 Minuten das Torjägerfeld von hinten aufzurollen, blieben noch ansehnliche Alternativen. Am Samstag sollte die Medizinballtruppe von Felix Magath gegen die Fohlen ran und am Sonntag oblag es einem zugegeben recht ordentlich aufspielenden Regionalteam aus der Nähe von Lüdenscheid vor dem heimischen Mob gegen die Schmalspur-Millionarios aus Hoffe zu netzen.


Zwölf Minuten nach Prinzens Anruf befand sich unser Einsatztrupp dann auch auf der A5 und fraß im Tiefflug Kilometer in Richtung Ruhrgebiet. An Bord: der Krieger, Wolle, meine Wenigkeit, portioniertes Rothausbräu. The Catman würde das Quartett erst im Dorf vervollständigen. Noch während Wolle und ich das Für und Wider der Benutzung des Strandstreifens angesichts eines schnöden Staus in Verbindung mit Bierkonsum erörterten, sorgte der Krieger beinahe für den ersten Eklat des Wochenendes: sonst durchaus kein Kostverächter, kapitulierte er bereits nach dem ersten Hot BBQ Double Whopper und einer halben Tüte Chili Cheese Nuggets, woran auch eine Poldi-Ballack-Gedächtnis-Schelle seitens Wolle nichts ändern konnte. Na toll!

In Köln brannte unterdessen die Bude. Prinz Poldi hatte nicht nur uns Bescheid gegeben, sondern den ganzen Zoch mobilisiert. Motto: Ballern für Kapstadt. Trotzdem standen wir mit der Maurerkeule in der Hand etwas verloren in Köln Porz, vor dem Bunker im Pfaffenpfad 13. Nichts. Kein Poldi, kein Kölsch, keine Hostessen, nix. Super! Endlich patschte sich der Krieger an die Stirn und wetzte seine Whopper-Scharte wieder aus. "Der meinte mit 'Party im Wohnzimmer' nich seine alte Bude in Porz sodern Köln-Müngersdorf!" Guter Mann, der Krieger. Blaulicht aufs Dach und ab in die Junkersdorfer Straße. Dort brannte bald tatsächlich die Hütte. Denn während der Hooliganrahmenveranstaltung im Gästeblock fackelten die Evolutionsbremsen aus Bochum Bengalos ab.



 
Das Gegurke auf dem Rasen ließ zudem darauf schließen, dass der designierte Torschützenkönig schon vorher beiden Mannschaften einige Runden Korn und Kölsch spendiert hatte. FC-Recke Tosic hatte sich derart einen umgehängt, dass er ständig vergaß, Prinz Poldi die Pille zu schicken und selber eine Bude nach der anderen machte. "Nä... so wird das nix mit der Kanone!" analysierte Wolle kompetent. Verwirrung dann in der Schlussphase: wer holt Kölsch und warum singen die Bochumer Fans plötzlich "Sportclub Freiburg"? Noch acht Minuten. Not gegen Elend. Unerwartet drehte Prinz Eisenherz auf dem Rasen dann doch noch auf. Ein Schuss wie ein Strich, herrlich  getroffen, Vollspann von halb-links, der ganze Kölner Klüngel jubelt,  Poldi hüpft kurz auf und klatscht in die Hände - drüber. Super Aktion Lukas! Ganz klare Ansage an die Rugbynation Südafrika: Wichtich is aufm Dach. In Kappstadt verlängern sie schon die Fangnetze nach oben...
 



Freitag, 16. April 2010

Where No Fan Has Gone Before

Das Ruhrgebiet: unendlicher Ballungsraum. Wir schreiben das Jahr 2010. Dies sind die Reisen des Raumschiff Pollux, das mit seiner 4 Mann sarken Besatzung drei Tage lang unterwegs ist, um neueWelten zu erforschen, fremdartiges Leben und unbekannte Zivilisationen. Viele Kilometer von der Heimat entfernt, dringt die Pollux dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Sternzeit 16042010.09:51 - Captain's Log

Die vibrirende Spannung an Bord der Pollux ist sprichwörtlich greifbar. Nach monatelanger Vorbereitung und penibler Planung brennt die Crew darauf, endlich zu ihrer Mission aufzubrechen, gleich welchen Gefahren sie sich unter Umständen gegenüber sehen wird. Ich mache meiner Mannschaft nichts vor. Es wird hart. Die Expedition der Pollux in die Nähe einer Butterfahrt zu rücken wäre in etwa so, als trage man sich ernsthaft mit dem Gedanken, weiße Haie mit Schlachtabfällen zu füttern... unter Wasser... aus der Hand... ohne Käfig. Aber es ist eine gute Mannschaft! Ihr Auftrag: Drei Städte, drei Stadien, Köln, Schalke, Dortmund -  in drei Tagen... noch nie zuvor hat jemand so etwas versucht. 

 
 Dat soll die Veltins-Arena sein? Die hab ich mir viel größer vo'gestellt!"

Montag, 8. März 2010

Randgruppen im Sperrgebiet

Ganz ehrlich: auf Schritt und Tritt überwacht zu werden schränkt auf die Dauer etwas ein. Zunächst ist man insgeheim ein wenig stolz auf diesen ganzen Zirkus mit den Lieferwagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite, den Schritten im dunklen Hausflur oder den Telefonaten, bei denen der Anrufer sofort wieder auflegt, wenn man sich meldet. Aber das legt sich ziemlich schnell. Die einzige Freude, die einem dann noch bleibt ist, den Kaffee alleine trinken, laut schlürfen und sich diebisch freuen, dass das Schlürfen in den Richtmikrophonen schön kratzt, rauscht und Rückkopplungen gibt. Hmmm… herrlich! Im Grunde sitz’ ich also ständig irgendwo alleine rum und schlürfe laut. Die meisten Leute tippen sich dann immer gegen die Stirn… Ruck zuck rutscht man so in eine Minderheit, die Bekloppten. Na super. Willkommen in der Randgruppe.

Randgruppen sind ein elitärer Haufen. Manche dieser Vereine sind so exklusiv, dass sie gerade mal ein Mitglied aufnehmen können. Solche Clubs lerne ich ständig kennen. Heute Nacht auch wieder. Als der Typ vor mir steht, denke ich im ersten Moment „wieder so’n Penner“. Haare: zottelig, lang und rot. Zähne: gelb und sehr schlecht aber dafür wenige. Bizarres Accessoire: ein großes weißes Frottee-Badehandtuch, tollkühn wie ein Cape um die Schultern drapiert. Und: ein wildes Funkeln in den Augen. Kein durchschnittlicher Obdachloser! Vor mir steht der gefährlichste Mann Europas. Behauptet er zumindest. Und nicht nur das. Mit Grabesstimme, immer wieder umweht von einem fauligen Hauch und in einem grotesken Tonfall der irgendwo zwischen der Arroganz des Allwissenden und dem Flüstern des Verschwörungstheoretikers liegt erfahre ich alles über die geheime Geißel Europas.

 
Foto: unblogbar.org // Marco Fieber

 „Die Regierung verabreicht mir seit 1982 starke Psychopharmaka und hindert mich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen daran, die Öffentlichkeit über ihre verbrecherischen Machenschaften aufzuklären.“ 
Erst will ich laut los lachen, aber dann merke ich „der meint das ernst“ also nur nervöses Kichern. Das ärgert ihn. „Findest du lustig, ja?! Pass bloß auf, mehrere Geheimdienste halten mich für den gefährlichsten Menschen Europas.“ Oha, ich finde es nicht mehr lustig und passe auf. 
„1974 wurde ich bei meinem Kampf gegen die Errichtung des Kernkraftwerks Fessenheim, das die Behörden einzig für Experimente gebaut hat, bei denen die Bevölkerung atomarer Strahlung ausgesetzt wird, erstmals Opfer der Behörden. Bei einer Aufklärungsmission auf dem Sperrgebiet der Reaktorbaustelle wurde ich im Juli 1975 Opfer brutaler Polizeigewalt. Zwei Rippen und den Kiefer haben sie mir gebrochen.“ 
Plötzlich unterbricht Staatsfeind Nummer 1 seinen mäandernden Redefluss, leckt sich hektisch über die Lippen und blickt gehetzt hin und her. Keine Zeit Luft zu holen. Sofort geht es weiter. „Nach meiner Entlassung aus der psychiatrischen Klinik, in die mich ein korrupter Richter eingewiesen hat, begann ich 1981 mit den Recherchen für mein Enthüllungsbuch und stieß auf eine Verschwörung bis in die höchsten Kreise. Ich weiß zu viel über die Regierung und deswegen will sie mich am Liebsten tot sehen oder für immer wegschließen. Haben sie alles schon versucht. Das ist aber noch nicht alles…“ 
Nein? Was soll da noch kommen? Der Kennedy-Mord? Die gefakte Mondlandung? Die Hitlertagebücher? Doch der Spannungsbogen auf seinem Höhepunkt plötzlich reißt wie eine altersschwache Violinensaite. Wie aus dem Nichts materialisiert steht plötzlich ein Ehepaar neben uns. Er wippt nervös von einem Fuß auf den anderen und laut auf seiner Unterlippe, während sie sich penetrant in unser Gespräch… in seinen Monolog vielmehr hineinzwängt. „Entschuldigung! Wo ist denn hier die Harmonie?“ Die Frage nach einem Kino just in dem Augenblick, als er die Machenschaften einer Schattenregierung aufdecken will, missfällt dem Staatsfeind Nummer 1 offensichtlich. Und noch bevor ich beschwichtigend die Hände heben kann knurrt er die Fragende mit einem Seitenblick auf ihren Mann an: „So wie Sie beide aussehen, ist die ganz bestimmt nicht zuhause bei Ihnen im Schlafzimmer!“ Er wirft sich die wallenden Haare über die Schulter und dann entschwindet er, gehüllt in einen wallenden weißes Frottee-Badetuch: der gefährlichste Mann Europas.

Sonntag, 10. Januar 2010

Don Willson sitzt zur Rechten Gottes, sofern der Herr sich nicht an Einschusslöchern stört

Ab sofort spreche ich nur noch so, wie Dashiell Hammett schreibt:

Als ich zurückkam, mixte sie gerade Gin, Wermut und Orange Bitters in einem Liter-Shaker, in dem nicht viel Spielraum zum Schütteln war.

"Haben Sie was gesehn?" fragte sie.
Ich feixte sie freundlich an. Wir trugen die Cocktails ins Eßzimmer und spielten Hoch-die-Tassen, während draußen unser Essen bruzelte. Die Drinks munterten sie prächtig auf. Als wir uns zum Mahl niedersetzten, hatte sie ihre Angst fast vergessen. Sie war keine sehr gute Köchin, aber wir aßen, als wäre sie eine.


(Dashiell Hammett, Rote Ernte, 1929,
dt. Ausgabe Diogenes Verlag)

Mittwoch, 6. Januar 2010

Black Belt versus Black Magic

Erst letztens hab ich mal wieder einen dieser Filme gesehen. Da hat irgendjemand mal gesagt "Was? Den kennste nicht? Den musst du Uhhhhnbedingt sehen. Klassiker! Ganz großes Kino." Mhmhm. Nun kann man bei dem Titel "Die sieben goldenen Vampire" schon mal skeptisch werden. Wurde ich nicht. Werde ich nie bei sowas.
Allerdings war schon nach der ersten von insgsamt 84 sehr langen Minuten klar, dass die Hammer Studios mit diesem kruden Machwerk einen... sagen wir sehr sehr exzentrischen Film geschaffen haben. Aber was will man erwarten, wenn irgendsoein durchgeknallter Chinese bis nach Transylvanien rennt, mal eben an die Grabplatte von Dracula klopft und den staubigen Oppa nach China schleifen will. Ob er nicht mal Lust hätte, seinen sieben goldenen Vampirkumpels in China zu helfen, Jungfrauen zu rauben... naja, in den 70er-Jahre-Hammer-Studio-Horrorschinken bedeutet das, den Jungfrauen zuerst die Bluse aufzureißen und sie danach verschleppen. Jungfrauen können auch nur mit nacktem Oberkörper geopfert werden, sonst ist das ganze Ritual Tineff. Trotz der pikanten, reichlich von Knoblauch gebrauchmachenden chinesischen Küche suppt der Obervampir ins Reich der Mitte . Blöd nur: Erzfeind Van Helsing ist schon da. Mit dem Kungfu-Heroen Xi Ching und seinen Geschwistern, darunter der *bambambam* Axtmann und die *bambambam* Zwillinge, will Van Helsing ein Dorf von Dracula und den sieben goldenen Stinkmumien erlösen. Aus merkwürdigen, sicherlich produktionsbedingten Gründen tauscht die Xi-Sippe kurz vor dem entscheidenden Duell ihre schicken Silberwaffen komplett gegen Bambusstöcke ein... Wer denkt sich sowas eigentlich aus? Dafür gibt's gerade mal eine Tonne... aber eine goldene.




Fazit:

Zu Recht die drittletzte Hammer-Produktion. Christopher Lee lehnte es ab, Dracula zu spielen, nachdem er das Drehbuch gelesen hatte - warum eigentlich?


Trash-Wertung: