Dienstag, 10. November 2009

Im Reisezentrum des Schreckens

Jetzt ist schon wieder was passiert. Noch sind die Dimensionen nicht überschaubar, aber es zeichnet sich etwas Großes ab. Ich hasse es, wenn so etwas passiert... aber was soll ich machen, die haben ihre Leute überall. Und nicht nur dass. Jetzt kämpfen sie mit harten Bandagen. Haben ihre übelsten Folterknechte auf mich losgelassen. Geschickt wie sie das eingefädelt haben. Nichts ist ihnen nachzuweisen, aber wer würde mir schon glauben? Genau. Niemand. Sie erwischen mich immer genau dann, wenn ich es nicht erwarte. Sicher das Alter. Die Reflexe lassen nach. Die Instinkte sind schon lange baden gegangen. Oder aber... genau, das Morgengrauen muss es sein... in Kombination mit den beiden anderen Punkten. Will ich ja gar nicht abstreiten.
Es ist kalt. Und dunkel. Außerdem regnet es. Toll. In der nächsten Stunde wird sich daran auch nichts ändern. Es ist Scheiß-Winter. Warum ich ausgerechnet heute meine Zugfahrkarte nicht direkt neben dem Eingang am Automat ziehe? Das sollte ich mich für den Rest des Tages fragen. Stattdessen halte ich es um 7:46 Uhr für eine wirklich gute Idee, das Reisezentrum der Deutschen Bahn zu betreten. Das Reisezentrum des Schreckens. Nichts anderes als ein nicht gekennzeichneter Folterkeller von ihnen. Doch von all dem ahne ich um 7:47 Uhr noch nichts. Denn während von draußen eisiger Regen gegen die schwarzen Scheiben des Bahnhofes klatscht, erscheint das hell erleuchtete Reisezentrum der Bahn wie ein Hort der Geborgenheit. Und vor allem: es ist vollkommen leer!
Neonröhren spiegeln sich im blank gewienerten Boden. Das Rot der ausliegenden Fahrpläne und Sondertarif-Broschüre leuchtet warm und kämpft verzweifelt, gegen das kalte Licht der Deckenstrahler ist es chancenlos. So wie ich... ohne es zu ahnen. Drei Angestellte der Bahn versuchen beschäftigt auszusehen, indem sie einer einsamen Kundin die Funktionsweise eines Telefons erklären. Drei Handlanger der Verspätung. Gut, Kumpel, da musst du jetzt durch, sag ich mir und trete vor eine Schergin des Schienenverkehrs. Irgendetwas stimmt nicht. Noch bevor ich etwas sagen kann faucht mich dieses Wesen über den Tresen hinweg an. Die Raumtemperatur fällt rapide um dreizehn Grad als sie schnarrt "Sie müssen eine Nummer ziehen!" Ihre Augen glitzern gefährlich. Es sind die Augen eines Hais. Gefühllos. Brutal. Draußen, im dunklen Nass dieses Novembermorgens ist es jetzt schön warm. Ich will hier weg.
Ich schlucke. Meine Handflächen sind bereits feucht. Mit trockenem Mund blicke ich nach rechts. Nichts. Nur Neonröhren im spiegelblanken Boden. Links das gleiche. Ich bin richtig gehend enttäuscht, dass der Wind keine Präriegraskugel durch das Reisezentrum treibt.
"Es ist aber doch..." setze ich an. Weit komme ich nicht.
"Ohne Nummer kann ich Sie nicht bedienen!"
"...leer!"
Sie starrt mich an. Ich versuche zurück zu starren. Das Rot der Fahrpläne hat mehr Chancen gegen die Neonröhren als ich gegen diese Verkörperung des Bösen.
"Sie müssen eine Nummer ziehen!"
Ich Resigniere bereits. "Ist ja gut."
"Nu werden Sie mal nicht frech!"
"Was? Ich hab... ich meine...!" In ihren Haiaugen blitzt für einen kurzen Moment etwas auf. Etwas das mir einen Schauer über den Rücken jagt. Sie weiß es. Sie weiß bescheid. Sie gehört zu denen. Nickt sie tatsächlich kurz. Es ist 7:52 Uhr. Mein Zeitfenster schließt sich langsam aber unbarmherzig. Ich brauche eine Nummer. Schnell. Auf dem Weg zum Nummernautomat spüre ich den Blich dieses Ungeheuers wie glühende Nadeln in meinem Rücken. Und dann offenbart sich mir ihr perfider Plan in allen Einzelheiten: Wie aus dem Nichts stehen plötzlich vier Leute vor dem Automaten. Sie nicken mir zu... Panik steigt in mir auf... als ich meine Nummer anfordere ist es 7:59 Uhr. Der Automat röchelt wie ein sterbender Rasenmäher und spuckt einen Schein aus. 230. Nummer 224 lässt am Schalter gerade ihre Tasche fallen, deren Inhalt sich auf dem ganzen Hallenboden zu verteilen scheint. Sieben Köpfe drehen sich in meine Richtung und sehen mich an und nicken. Dann renn ich los... ohne 230. Es ist 8:30 Uhr und der Tag hat noch nicht einmal angefangen.

Samstag, 7. November 2009

Schöne Schilder


Folge 3482: Heute kein Feuer in der "Hardcore Scenery"... na ein Glück

Freitag, 9. Oktober 2009

ZDF bei der Recherche ganz weit vorne

Wenigstens bei Wikipedia hättet ihr das mal nachschlagen können, Jungs. Was? Wikipedia eben. W-i-k-i-p-... vergesst es, macht mal schön Fernsehgarten weiter!

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Ein Sakrileg!

Und da meint man immer, man hätte bereits in sämtliche Abgründe der Serienlandschaft geblickt. Falsch gemeint!

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Sehenswerter Müll am Wochenende

Junge, Junge... ist ja schon ein befreiendes Gefühl KEIN Privatfernsehn zu empfangen. Da kommt wirklich nur noch und ausschließlich Grütze. Ganz große Momente der Fernsehgeschichte werden das an diesem Wochenende wieder: Chartshow mit Geissen, Tanzen mit Pflaume... oje oje. Freunde des gepflegten Trash-Kinos allerdings reiben sich jetzt schon die Hände.
Am Samstag überstrapaziert Tele 5 seinen Slogan "Wir lieben Filme" ein wenig! Um 20:15 Uhr läuft James Camerons legendärer "Piranhas 2 - Fliegende Killer", der beste Film, der je über fliegende Piranhas gedreht wurde. Mindestens. Gleich im Anschluss um 22:05 Uhr eine weitere Perle aus der untersten Schublade des Italo-Kinos: "Killer Krokodil 2 - die Mörderbestie". Einen schönen Trash-Abend allerseits.

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Piranhas 2 - Fliegende Killer

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Killer Krokodil 2 - Die Mörderbestie

Freitag, 2. Oktober 2009

Der Panaden-Zwischenfall

So langsam hab' ich die Faxen dicke! Ich lass' mir ja einiges gefallen, sei es eine lückenlose 24h-Überwachung, abgehörte Telefone, ein Lieferwagen mit abgedunkelten Scheiben, der ständig und überall hinter einem herrollt oder Privatfernsehen... meinetwegen. Alles zum Wohle des Volkes, versteht sich. Von mir aus! Doch jetzt haben die eine weitere Eskalationsstufe auf der Treppe nach 1984 betreten.

Wie es dazu kam, wird wohl nie ganz geklärt werden, wahrscheinlich bin ich der Geheimen Hauptverwaltung einfach zu gefährlich geworden. Nachdem ich vor Kurzem die Ferndiagnose des maroden Überwachungsapparates belauschen konnte war das absehbar. Nach akribischem Studium sämtlicher Protokolle und Abschriften war klar: "Der weiß zuviel, der muss weg!" Na super. Was die Schlapphüte jedoch nicht bedacht hatten: wenn man paranoid ist, lauert der Tod ohnehin überall. An j-e-d-e-r Ecke. Unbedarfte Menschen warten oft am Zebrastreifen und werden vom Klavier erschlagen. Kann mir nicht passieren: ich rechne immer mit einem fallenden Klavier. Klappt ganz gut. Lebe noch.

Um aber auf jenen Zwischenfall zurück zu kommen, der in der Überwachungsgeschichte der Nachkriegszeit noch Jahrzehnte beispiellos bleiben wird:
Ein nicht weiter erwähnenswerter Montag, 12:17Uhr, Hunger rumpelte mir durch die Magengegend wie ein Boxauto von der Kirmes, in dem sich ein achtjähriges Einzelkind abreagiert. Die Mensa lag nahe. Angesichts des wartenden Mobs hatte das Kombinat der Mensa vermutlich schon zum zweiten Mal in diesem Sommer Fleisch zugeteilt. Richtig vermutet. Paniertes Schnitzel. Mit Pommes. An sich nichts Ungewöhnliches. Trotzdem beschlich mich ein ungutes Gefühl...

Gedankenverloren schaufelte ich Fleisch und Pommes in meine leere Magengrube. Eigentlich ganz gut. Dennoch: irgendetwas stimmte nicht. Aber was? Hektisch schossen meine Augen unter halb geschlossenen Lidern hin und her. Nichts. Drei Pommes später das gleiche Gefühl. Beim Blick über den Tellerrand schien alles ruhig. Zu ruhig. Angespannt aß ich langsam kauend weiter... Aus dem Augenwinkel nahm ich eine plötzliche Bewegung wahr. Blitzschnell riss ich den Kopf herum. Da war sie, die grausame Wahrheit. Meine Gedanken rasten. Schlagartig war klar, was diese beängstigende Unruhe ausgelöst hatte. Bilder stürzten auf mich ein. Schwindel erfasste mich. Dann ein trockenes Würgen, eher ein Röcheln. Alles drehte sich. Auf der Gabel, mit der ich eben erst zielsicher das letzte mundgerechte Stück Fleisch durchbohrt hatte, wand sich zuckend eine elfenbeinfarbene Made.

Während meiner Kehle ein Stöhnen entfuhr, das die Jura-Studentinnen am Nebentisch befremdlich die Nase rümpfen ließ, nahm das Boxauto in meinem Magen erneut Fahrt auf. Eigentlich hatte ich mir meinem rebellierenden Innereien mehr als genug zu tun, trotzdem fiel es mir auf: die sich windende Made, die immer weiter ihre obszönen Kapriolen auf dem panierten Rest eines Schweines schlug... ausgerechnet auf meinem Teller. Absicht! Ganz eindeutig! Warum sollte ich sonst ausgerechnet das Schnitzel mit der madenverseuchten Panade abkriegen? Und doch bei allem Ekel musste ich der Brillanz dieses teuflischen Plans meinen Respekt zollen. Eine logistische Meisterleistung die Made aus dem Speck in die Panade des Schnitzels zu verpflanzen - lebendig und dazu auf meinen Teller abzusetzen. Richtiger Geheimscheiß war das. Die Made in der Panade! Das konnten nur die.

Wenn das der Webstuhl wüsste

Seid gestern bin ich nicht mehr einfach nur paranoid, sondern obendrein ohne Job. Gut, der bürokratische Firlefanz in Richtung Selbsständigkeit nimmt gerade Fahrt auf. Dennoch: de facto hab ich im Augenblick nicht wirklich viel zu tun. Gibt Schlimmeres. Beulenpest zum Beispiel. Oder die ach so ausgeklügelte Story mancher Filme. Deshalb: bevor ich davon berichte, wie Kaminers Kumpel versuchte, mir mit Geheimwissen aus alten KGB-Kellern aus meinem Überwachungsdilemma zu helfen, ich einen heimtückischen Angriff mit Biowaffen überstand und warum es doch hin- und wieder ganz gut wäre, das Medusa's schlangengekrönte Birne bei Botengängen mit zu haben, noch kurz etwas zu einem der unsäglichsten Hochglanz-Trash-Streifen der letzten paar Jahre: Wanted mit der Jolie.
Story: Nerd ist ein ganz übler Nerd. Erfährt dann aber von der Jolie, dass er der Sohn des besten Killers der Welt ist und geht dann bei einer Geheimorganisation in die Assassinen-Lehre. Spitzen Geschichte! Geht aber noch weiter. Die Attentäter dieser Gilde können um die Ecke schießen... so ein Kunstschuss über drei Straßenblocks schlabbern die locker aus der Hüfte - einmal mit dem Handgelenk geschlenkert und ZACK, exitus. Soweit so gut, aber wer sagt den besten der besten der besten Killer, wen sie meucheln müssen. DAS, und nur DAS ist der Beste Part an Wanted. Die Aufträge erteilt ein Webstuhl von dem keiner weiß, wer ihn bedient? Ein W-e-b-s-t-u-h-l? Meine Fresse, ich krieg zuviel. So etwas kann einem doch gar nicht einfallen! Albern! Und der Gipfel: derzeit läuft die Pre-Production für Wanted 2... Angelina Jolie soll wieder leicht bekleidet zur Knarre greifen... diesmal vielleicht als "Strickliesl".


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Zitat:

"You're not an assassin of fate, Sloan. You're just a thug who can bend bullets."

Trash-Wertung: